Nuklearwaffen

Atomprogramm: Südkorea meldet dritte Urananlage in Nordkorea

Nordkorea betreibt offenbar mehr Anlagen zur Urananreicherung als bisher bekannt. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde spricht von „ernster Sorge“.

Kim Jong-un beim Test der Interkontinentalrakete Hwasong-18
Kim Jong-un beim Test der Interkontinentalrakete Hwasong-18Imago

Nordkorea verfügt nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministers Chung Dong-young im nordwestlich gelegenen Kusong über eine dritte Urananreicherungsanlage. Bislang hatte die Regierung in Seoul offiziell nur die Standorte Yongbyon und Kangson als Orte der Urananreicherung identifiziert, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet.

Chung machte die Angaben am Freitag vor einem Parlamentsausschuss in Seoul – eine ungewöhnlich offene Preisgabe von Informationen über Nordkoreas Atomprogramm. Er berief sich auf jüngste Aussagen von Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), vor deren Gouverneursrat.

Allerdings nannte Grossi in seiner offiziellen Erklärung vor dem IAEO-Aufsichtsgremium am Montag in Wien lediglich Yongbyon und Kangson als aktive Anreicherungsstandorte. Kusong erwähnte er laut der von der IAEA veröffentlichten Stellungnahme nicht. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde sprach von „ernster Sorge“ über den fortgesetzten Betrieb der beiden Urananreicherungsanlagen.

IAEA beobachtet neuen Ausbau der Nuklearanlagen in Yongbyon

Grossi erklärte, der Fünf-Megawatt-Reaktor in Yongbyon – der wichtigsten Nuklearanlage Nordkoreas nördlich von Pjöngjang – befinde sich vermutlich in seinem siebten sogenannten Bestrahlungszyklus, bei dem Kernbrennstoff im Reaktor bestrahlt wird.

Zwischen Januar und September 2025 sei zudem das Radiochemische Labor in Betrieb gewesen, in dem bestrahlter Brennstoff aus dem sechsten Zyklus wahrscheinlich wiederaufbereitet wurde, um waffenfähiges Plutonium zu gewinnen.

Darüber hinaus beobachte die IAEA ein neues Gebäude in Yongbyon, dessen Stromversorgung und Kühlung der Anlage in Kangson ähnele. Der Leichtwasserreaktor in Yongbyon sei nach einer Abschaltphase zwischen August und November 2025 offenbar wieder in Betrieb. Am Atomtestgelände Punggye-ri gebe es keine wesentlichen Veränderungen, es bleibe jedoch für einen Atomtest vorbereitet. Grossi bezeichnete die Entwicklungen als klare Verstöße gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

Südkorea beziffert Nordkoreas Plutoniumproduktion

Minister Chung schätzte, dass Nordkorea in den vergangenen 30 Jahren rund 100 Kilogramm Plutonium gewonnen habe, davon 16 Kilogramm allein im vergangenen Jahr. Diese Menge reiche für etwa 20 Atomwaffen.

Im September 2024 hatte Nordkorea erstmals öffentlich eine Urananreicherungsanlage gezeigt, ohne deren Standort zu nennen. Staatschef Kim Jong-un forderte damals, die Zahl der Zentrifugen zur Urananreicherung zu erhöhen.