Konflikte

Papst Leo XIV. in Afrika: Streit mit Trump und Vance spitzt sich weiter zu

Während der Papst in Kamerun für Frieden wirbt, verschärft sich der Konflikt mit Trump. Auslöser war ein Appell im Petersdom – seitdem liefern sich beide Seiten einen offenen Schlagabtausch.

Papst Leo XIV. spricht während seiner Afrika-Reise an Bord seines Fluges nach Kamerun mit Journalisten.
Papst Leo XIV. spricht während seiner Afrika-Reise an Bord seines Fluges nach Kamerun mit Journalisten.Guglielmo Mangiapane/dpa

Papst Leo XIV. ist im Rahmen einer zehntägigen Afrika-Reise in Kamerun eingetroffen – begleitet von einem eskalierenden Konflikt mit der US-Regierung. Die Reise hatte am 13. April in Algerien begonnen und führt den Pontifex bis zum 23. April durch vier Staaten: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.

Nach dem Auftakt in Algerien, wo Leo „neokoloniale“ Machtpolitik kritisierte, steht nun Kamerun im Mittelpunkt. Dort trifft er Präsident Paul Biya, der das Land seit 1982 regiert und dessen jüngste Wiederwahl von der Opposition angefochten wird.

Auf dem Programm stehen Gespräche mit Regierungsvertretern, ein Besuch in einem Waisenhaus sowie ein Friedenstreffen in der Konfliktregion im Nordwesten des Landes. Für diesen Termin kündigten separatistische Gruppen eine dreitägige Feuerpause an. Höhepunkt ist eine große Messe in Douala, zu der Hunderttausende Gläubige erwartet werden.

Auslöser im Petersdom: Friedensappell entfacht Streit

Der aktuelle Konflikt mit Trump geht auf das vergangene Wochenende zurück. Am Samstag hatte Papst Leo XIV. im Petersdom bei einem Friedensgebet mit ungewöhnlich deutlichen Worten ein Ende der Kriege gefordert – insbesondere mit Blick auf den Iran-Konflikt. Die Drohungen aus Washington verurteilte er dabei als „wirklich inakzeptabel“. Für den sonst eher zurückhaltenden Papst war das eine bemerkenswert scharfe Intervention.

In den Tagen danach verschärfte Leo seine Position weiter. In einer Botschaft warnte er, Demokratien könnten ohne moralische Grundlage in eine „Mehrheitstyrannei“ abgleiten oder zur Fassade wirtschaftlicher Macht werden. Politische Autorität müsse sich stets an der Würde des Menschen orientieren.

Trump reagiert – und verschärft den Ton

In Washington wurden diese Aussagen als direkte Kritik verstanden. US-Präsident Donald Trump reagierte mit einer öffentlichen Attacke „Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass der Iran in den letzten zwei Monaten mindestens 42.000 unschuldige, völlig unbewaffnete Demonstranten getötet hat?“, schrieb Trump am Dienstagabend auf seiner Plattform Truth Social. Es sei „absolut inakzeptabel“, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Bereits zuvor hatte Trump den Papst als „schwach“ bezeichnet und ihm mangelnde Kompetenz in außenpolitischen Fragen vorgeworfen. Der Ton verschärfte sich damit innerhalb weniger Tage deutlich.

Vizepräsident Vance greift ebenfalls ein

Auch US-Vizepräsident JD Vance schaltete sich in den Streit ein. Der Katholik erklärte bei einer Veranstaltung in Georgia, der Papst solle „vorsichtig sein“, wenn er über Theologie spreche. Vance widersprach damit direkt Leos grundsätzlicher Ablehnung von Gewalt. Zur Begründung verwies er auf den Zweiten Weltkrieg. „War Gott nicht auf der Seite der Amerikaner, die Europa von den Nazis befreit haben? Ich denke, die Antwort ist ja“, sagte er.

Der Vizepräsident stellt damit die zentrale Linie des Papstes infrage: dass Gewalt niemals moralisch legitim sein könne. Aus Sicht Vances gibt es historische Situationen, in denen militärisches Handeln gerechtfertigt sei. Zugleich mahnte er, religiöse Aussagen müssten „in der Wahrheit verankert“ sein – eine ungewöhnlich direkte Kritik eines katholischen US-Vizepräsidenten am Kirchenoberhaupt.

Papst bleibt bei Linie – „keine Angst“ vor Trump

Leo zeigte sich von den Angriffen unbeeindruckt. Auf Nachfrage erklärte er, er habe „keine Angst“ vor der US-Regierung und werde seine Friedensappelle fortsetzen. Diese seien im Evangelium begründet. Bereits zuvor hatte er betont, Jesus stehe „nie auf der Seite derer, die das Schwert erheben oder Bomben werfen“.

Unruhe unter Katholiken in den USA

Der Konflikt sorgt auch innerhalb der katholischen Kirche in den USA für Spannungen. Selbst konservative Stimmen, die bislang als Unterstützer Trumps galten, stellen sich zunehmend hinter den Papst. Der texanische Bischof Joseph Strickland erklärte gegenüber der BBC, der Iran-Krieg erfülle nicht die Kriterien eines „gerechten Krieges“. „Ich stehe an der Seite des Heiligen Vaters“, sagte er und verwies auf das Leid der Zivilbevölkerung.

Auch konservative katholische Kommentatoren äußerten sich kritisch. Peter Wolfgang vom Family Institute of Connecticut sagte der BBC, Angriffe auf den Papst würden von vielen Gläubigen als Angriff auf die Kirche selbst verstanden. Die BBC spricht von einer „ungewöhnlichen Konvergenz“ innerhalb der Kirche: In der Frage des Krieges rücken konservative und progressive Katholiken näher zusammen.

Afrika-Reise bekommt globale Dimension

Damit erhält die Afrika-Reise des Papstes eine zusätzliche politische Bedeutung. Während Leo vor Ort für Frieden, soziale Gerechtigkeit und politische Verantwortung wirbt, steht er zugleich im Zentrum einer internationalen Auseinandersetzung. Seine nächsten Stationen führen ihn nach Angola und Äquatorialguinea. Auch dort dürften Fragen von Macht, Ressourcen und gesellschaftlicher Ungleichheit im Mittelpunkt stehen.

Der Streit mit der Trump-Regierung begleitet die Reise weiter – und zeigt, wie stark religiöse Autorität und geopolitische Interessen derzeit aufeinanderprallen.