Krieg

Pakistan und Afghanistan verkünden Waffenruhe zum Zuckerfest

Im Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan könnte zumindest kurzzeitig Ruhe einkehren. Beide Länder verkünden eine Pause ihrer Militäroperationen.

Attaullah Tarar, Informationsminister von Pakistan, spricht während eines Interviews mit The Associated Press in der pakistanischen Hauptstadt.
Attaullah Tarar, Informationsminister von Pakistan, spricht während eines Interviews mit The Associated Press in der pakistanischen Hauptstadt.Anjum Naveed/AP

Pakistan hat am Mittwoch eine vorübergehende Waffenruhe in seinem Militäreinsatz gegen Afghanistan erklärt. Die Feuerpause in der „Operation Ghazab Lil Haq“ soll ab Mitternacht gelten und bis zum 24. März andauern, teilte Informationsminister Attaullah Tarar laut dem Nachrichtenportal Pakistan Today mit. Als Grund nannte er das bevorstehende Zuckerfest zum Ende des Ramadan sowie Vermittlungsbemühungen Saudi-Arabiens, Katars und der Türkei.

Kurz darauf erklärte auch die afghanische Taliban-Regierung eine Aussetzung ihrer Militäroperationen gegen Pakistan, wie Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid auf der Plattform X mitteilte. Über die genaue Dauer der afghanischen Feuerpause und mögliche weitere Deeskalationsschritte gab es zunächst keine Angaben.

Tarar warnte zugleich, dass Pakistan seine Angriffe „sofort“ und mit „verstärkter Intensität“ wieder aufnehmen werde, sollte es zu grenzüberschreitenden Angriffen, Drohnenattacken oder Terroranschlägen auf pakistanischem Boden kommen.

Taliban meldete hunderte Tote bei Angriff auf Klinik

Die Waffenruhe fällt in eine Phase schwerster Spannungen zwischen den Nachbarstaaten. Zwei Tage zuvor hatte ein pakistanischer Luftangriff eine Drogenentzugsklinik in Kabul getroffen. Nach Angaben des Taliban-Innenministeriums wurden dabei 408 Menschen getötet und 265 verletzt. Der Norwegische Flüchtlingsrat bestätigte am Mittwoch als erste ausländische Organisation „hunderte Tote und Verletzte“.

Pakistan bestritt, die Klinik gezielt angegriffen zu haben, und sprach von Schlägen gegen „militärische und terroristische Infrastruktur“. Das pakistanische Militär erklärte, an dem getroffenen Standort seien Drohnen und militärische Munition gelagert sowie Selbstmordattentäter ausgebildet worden.

Taliban-Minister kündigt Vergeltung für Klinik-Angriff an

Bei einem Massenbegräbnis in Kabul drohte derweil der afghanische Innenminister Siradschuddin Hakkani mit Vergeltung: Pakistan werde „die Konsequenzen“ seiner „Verbrechen“ zu spüren bekommen. Zugleich betonte er, Kabul setze auf diplomatische Lösungen: „Wir wollen keinen Krieg, aber die Lage hat sich so entwickelt.“

Der Konflikt war Ende Februar eskaliert, als wechselseitige Luft- und Grenzangriffe zu den schwersten Kämpfen seit Jahren führten. Islamabad wirft den Taliban vor, militanten Gruppen wie den pakistanischen Taliban (TTP) Unterschlupf zu gewähren. Kabul weist dies zurück. Ein im Oktober unter katarischer Vermittlung vereinbarter Waffenstillstand war gescheitert. Nach UN-Angaben wurden seit dem 26. Februar mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children spricht von rund 68.000 vertriebenen Kindern.