Bei einem Luftangriff auf ein staatliches Drogenentzugskrankenhaus in Kabul sind nach Angaben der afghanischen Taliban-Regierung mindestens 400 Menschen getötet und rund 250 weitere verletzt worden.
Der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat erklärte, der Angriff habe am Montagabend gegen 21 Uhr Ortszeit das Omid-Krankenhaus getroffen – eine Einrichtung mit nach seinen Angaben 2000 Betten zur Behandlung Drogenabhängiger. Die meisten Opfer seien Patienten gewesen, wie Reuters berichtete. Sharafat Zaman, Sprecher des Taliban-Gesundheitsministeriums, sagte dem Guardian, sämtliche Gebäudeteile seien zerstört worden.
Pakistan wies die Darstellung als „falsch und irreführend“ zurück. Das Informationsministerium in Islamabad teilte mit, man habe „präzise militärische Einrichtungen und terroristische Unterstützungsinfrastruktur“ in Kabul und der Provinz Nangarhar angegriffen. Zivile Schäden seien ausgeschlossen worden. Die Darstellung als Angriff auf eine Klinik solle „Stimmung machen und die illegitime Unterstützung grenzüberschreitenden Terrorismus verdecken“. Reuters konnte die Opferzahlen nicht unabhängig überprüfen.
Augenzeugen schildern Chaos in der Klinik
Vor Ort war ein eingeschossiges Gebäude ausgebrannt, andere Bauten waren zu Trümmern zusammengestürzt. „Als ich ankam, sah ich, dass alles brannte, Menschen brannten“, sagte der Rettungswagenfahrer Haji Fahim gegenüber Reuters.
Der Patient Yousaf Rahim schilderte dem Guardian: „Patienten fielen aus ihren Betten, schrien und rannten, während Feuer und Rauch die Räume füllten.“ Die italienische Hilfsorganisation Emergency teilte mit, sie habe drei Leichen geborgen und 27 Verletzte behandelt.
Es war laut Guardian bereits der dritte pakistanische Raketenangriff auf Kabul in den vergangenen Wochen. Die jüngste Eskalation zwischen den beiden Nachbarstaaten begann Ende Februar, als Pakistan und Afghanistan nach wechselseitigen Luft- und Grenzangriffen in die schwersten Kämpfe seit Jahren gerieten. Islamabad bezeichnete die Lage zuletzt als „offenen Krieg“. Ein im vergangenen Oktober von Katar vermittelter Waffenstillstand ist damit gescheitert.
Vermittlungsversuche ohne Ergebnis
Pakistan begründet seine Operationen mit dem Kampf gegen die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), die von afghanischem Boden aus Anschläge verübt. Die Taliban bestreiten, der Gruppierung Unterschlupf zu gewähren. China hatte vergangene Woche einen Sondergesandten entsandt – bislang ohne Ergebnis.
Der UN-Sicherheitsrat forderte die Taliban am Montag einstimmig auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und stärker gegen Terrorgruppen vorzugehen. Gegenstand der Sitzung war die Verlängerung des Mandats von Unama, der politischen und humanitären Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan.
Richard Bennett, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, forderte beide Seiten auf, das Völkerrecht einzuhalten – „einschließlich des Schutzes von Zivilisten und zivilen Einrichtungen wie Krankenhäusern“. Die Organisation Human Rights Watch verlangte laut Guardian eine umgehende Untersuchung.


