Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hat der Taliban-Regierung in Afghanistan vorgeworfen, mit Drohnenangriffen auf zivile Ziele eine „rote Linie“ überschritten zu haben. Kabul habe damit „schwere Konsequenzen über sich selbst gebracht“, erklärte Zardari am Samstag.
Nach Angaben der pakistanischen Streitkräfte fing die Luftabwehr am Freitag mehrere Drohnen ab. Trümmerteile hätten jedoch zwei Kinder in der Stadt Quetta verletzt sowie zwei weitere Menschen in anderen Landesteilen.
Die Taliban-Regierung in Kabul beschuldigte ihrerseits Pakistan, zuvor Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan geflogen zu haben, darunter auch in der Hauptstadt Kabul. Dabei seien mindestens sechs Zivilisten getötet und 15 weitere verletzt worden. Kurz darauf erklärte Kabul, seine Luftwaffe habe als Reaktion militärische Einrichtungen in Pakistan angegriffen.

Pakistan wies zurück, zivile Ziele attackiert zu haben. Die Einsätze richteten sich gegen Kämpfer der pakistanischen Taliban und deren Unterstützungsnetzwerke, erklärte die Regierung in Islamabad.
Der Konflikt zwischen beiden Ländern war Ende Februar eskaliert. Pakistan erklärte der Taliban-Regierung daraufhin den „offenen Krieg“. Islamabad wirft den Taliban vor, militante Gruppen – insbesondere die pakistanischen Taliban – auf afghanischem Gebiet zu dulden, die von dort aus Anschläge in Pakistan vorbereiten. Kabul bestreitet diese Vorwürfe.
Zunehmende zivile Opfer
Die Kämpfe haben inzwischen auch schwere Folgen für die Zivilbevölkerung. Nach Angaben der UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama) wurden seit dem 26. Februar mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 weitere verletzt.
Hilfsorganisationen warnen zudem vor einer wachsenden humanitären Krise. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children spricht von rund 68.000 vertriebenen Kindern infolge der Kämpfe. „Der Konflikt hat verheerende Folgen für Kinder und ihre Familien“, erklärte Arshad Malik, Regionaldirektor der Organisation für Asien. Viele Familien seien bereits zuvor auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen.

Krise verschärft sich nach Erdbeben
Besonders betroffen ist die ohnehin fragile Grenzregion zwischen beiden Ländern. Dort hatte bereits im vergangenen Jahr ein schweres Erdbeben große Schäden angerichtet. Hilfsorganisationen berichten, dass Menschen, die damals ihr Zuhause verloren hatten, nun erneut vertrieben werden. In provisorischen Lagern fehle es oft an grundlegender Versorgung. „Es gibt keine Toiletten, es gibt kein sauberes Wasser und keine zuverlässige Lebensmittelversorgung“, sagte Veronika Staudacher von Caritas International in Kabul der Deutschen Presse-Agentur.
Iran-Krieg verschärft Lage zusätzlich
Aus Sicht von Helfern wird die Situation zusätzlich durch den Krieg im Iran kompliziert. Pakistan hatte bereits im Oktober wichtige Grenzübergänge nach Afghanistan geschlossen. Sollte auch die Nachschubroute über den Iran durch den Krieg beeinträchtigt werden, könnte dies die Versorgung weiter erschweren – etwa bei Lebensmitteln, Treibstoff oder Medikamenten.
Die Taliban-Regierung steht damit unter wachsendem Druck. „Ein Konflikt an mehreren Grenzen verringert ihren Handlungsspielraum erheblich“, sagte die Südasien-Expertin Elizabeth Threlkeld vom Stimson Center.
China versucht unterdessen zu vermitteln. Nach Angaben des chinesischen Außenministeriums pendelt ein Sondergesandter zwischen Kabul und Islamabad, um beide Seiten zu Gesprächen zu bewegen.

