Ukraine-Krieg

Vor Oster-Waffenruhe: Ukraine und Russland tauschen Gefangene – Angriffe dauern an

Kurz vor der Oster-Waffenruhe tauschen Ukraine und Russland Gefangene aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigt an, die Feuerpause einzuhalten – warnt aber vor Verstößen.

Ein freigelassener ukrainischer Kriegsgefangener bekreuzigt sich nach dem Austausch – in eine Flagge gehüllt.
Ein freigelassener ukrainischer Kriegsgefangener bekreuzigt sich nach dem Austausch – in eine Flagge gehüllt.Coordination Headquarters for the Treatment of Prisoners of War/AFP

Kurz vor Beginn einer angekündigten Feuerpause zum orthodoxen Osterfest haben Russland und die Ukraine erneut Kriegsgefangene ausgetauscht. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sowie des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden jeweils 175 Soldaten freigelassen.

Zudem seien sieben Zivilisten aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, erklärte Selenskyj im Onlinedienst Telegram. Viele der freigelassenen Soldaten seien seit 2022 in Gefangenschaft gewesen. „Und endlich – zu Hause“, schrieb er. In einem anderen Beitrag auf X schrieb er: „Unsere Soldaten verteidigten die Ukraine an verschiedenen Fronten – in Mariupol, im Kernkraftwerk Tschernobyl, in den Richtungen Donezk, Luhansk, Charkiw, Cherson, Saporischschja, Sumy, Kiew und Kursk. Einige von ihnen sind verwundet“.

Angriffe trotz angekündigter Feuerpause

Parallel dazu gingen die Kampfhandlungen weiter. Bei russischen Luftangriffen auf mehrere Regionen der Ukraine wurden nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt. Nach Angaben aus Kiew setzte Russland in der Nacht zum Samstag mindestens 160 Drohnen ein. Besonders betroffen war die Hafenstadt Odessa. In einem Wohngebiet seien zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden, erklärte ein regionaler Vertreter.

Auch in der zentralukrainischen Region Poltawa sei ein Geschäft und ein Café getroffen worden. Dabei kam nach Angaben der Militärverwaltung ein Mensch ums Leben. In der nordöstlichen Region Sumy wurden demnach 14 Menschen verletzt, darunter ein 14-Jähriger und eine 87-Jährige.

Auch aus Russland wurden Opfer gemeldet. In der von Moskau kontrollierten Region Donezk seien nach russischen Angaben zwei Menschen durch eine ukrainische Drohne getötet worden. In der südrussischen Region Krasnodar hätten Angriffe ein Wohnhaus beschädigt und ein Öldepot in Brand gesetzt, teilten Behörden mit.

Freigelassene russische Kriegsgefangene nach dem Austausch – in Nationalflaggen gehüllt.
Freigelassene russische Kriegsgefangene nach dem Austausch – in Nationalflaggen gehüllt.Telegram/@vr_medinskiy/AFP

Feuerpause zu orthodoxem Osterfest

Russland hatte eine 32-stündige Feuerpause rund um das orthodoxe Osterfest angekündigt. Nach Kremlangaben soll der Waffenstillstand am Samstag um 16.00 Uhr Ortszeit beginnen und bis Sonntagabend gelten. Präsident Wladimir Putin habe die Streitkräfte angewiesen, die Kampfhandlungen in diesem Zeitraum einzustellen.

Selenskyj erklärte, die Ukraine werde sich an die Feuerpause halten, sofern Russland diese einhalte. „Solange es keine russischen Angriffe aus der Luft, zu Lande oder zur See gibt, wird es keine Reaktion von unserer Seite geben“, schrieb er im Onlinedienst X. Zugleich machte er deutlich, dass Kiew auf Verstöße reagieren werde. Die ukrainische Armee sei auf alle Entwicklungen vorbereitet.

Selenskyj erneuerte auch seinen Vorschlag, aus der Waffenruhe einen dauerhaften Waffenstillstand zu machen. „Ein Waffenstillstand zu Ostern könnte auch der Beginn einer echten Bewegung in Richtung Frieden sein – von unserer Seite liegt ein entsprechender Vorschlag vor“, sagte er. Die Initiative für eine Verlängerung der Waffenruhe sei der russischen Seite übergeben worden, sagte er.

Zweifel nach früheren Feuerpausen

Bereits im vergangenen Jahr hatten beide Seiten eine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest angekündigt und sich anschließend gegenseitig Verstöße vorgeworfen.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 haben Moskau und Kiew mehrfach Gefangene ausgetauscht. Der Austausch zählt zu den wenigen konkreten Ergebnissen diplomatischer Kontakte zwischen beiden Seiten.