Säugetiere leben länger, wenn ihre Fortpflanzung unterdrückt wird. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, die kürzlich im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde.
Ein Forschungsteam um Mike Garratt von der University of Otago in Neuseeland wertete dafür Daten von 117 Säugetierarten aus Zoos und Aquarien weltweit aus und kombinierte diese mit einer Meta-Analyse von 71 Studien. Das Ergebnis: Hormonelle Verhütung und chirurgische Sterilisation erhöhen die Lebenserwartung im Schnitt um zehn Prozent.
Bei Mantelpavianen waren die Effekte besonders ausgeprägt – Weibchen mit Verhütung lebten 29 Prozent länger, kastrierte Männchen 19 Prozent.
Ursachen für längeres Leben bei Geschlechtern unterschiedlich
Die biologischen Ursachen für die Langlebigkeit unterscheiden sich den Forschenden zufolge zwischen den Geschlechtern. Bei Männchen verlängerte nur die Kastration das Leben, nicht jedoch die Vasektomie. „Der Effekt stammt aus der Eliminierung von Testosteron", erklärt Garratt. Bei Weibchen wirkten verschiedene Sterilisationsformen lebensverlängernd – vermutlich durch die Entlastung von Schwangerschaft und Stillzeit.
Auch die Todesursachen variierten: Kastrierte Männchen starben seltener durch Aggression, Weibchen ohne Fortpflanzung seltener an Infektionen.
Was bedeutet die Studie für Menschen?
Die Studie macht deutlich, dass Fortpflanzung bei Säugetieren erhebliche biologische Kosten mit sich bringt – ein grundlegender evolutionärer Zielkonflikt zwischen Reproduktion und Überleben.
Zur Übertragbarkeit auf Menschen liegen nur begrenzte Daten vor. Historische Aufzeichnungen über kastrierte koreanische Eunuchen deuten auf eine 18 Prozent längere Lebensspanne hin, sind laut den Forschenden jedoch mit Vorsicht zu interpretieren.
Bei Frauen ist chirurgische Sterilisation derweil mit einer geringfügigen Lebenszeitverkürzung von etwa einem Prozent verbunden. „Menschliche Umgebungen können diese Kosten durch Gesundheitsversorgung und soziale Unterstützung abfedern", schreiben die Autoren.


