Forschung

Neue Studie: In diesen zwei Lebensjahren altern wir rasant

Über Nacht gealtert? Gar nicht so unrealistisch, glaubt man einer aktuellen Studie. Wissenschaftler haben demnach besonders starke Alterungsschübe in zwei Lebensjahren identifiziert.

Der erste große Alterungsschub ereignet sich laut einer neuen Studie mit Mitte 40.
Der erste große Alterungsschub ereignet sich laut einer neuen Studie mit Mitte 40.Sergey Maksimenko/imago

Altern ist offenbar kein langsamer und stetiger Prozess, sondern geschieht laut einer neuen Studie aus den USA insbesondere in zwei Schüben. Forscherinnen und Forscher veröffentlichten entsprechende Erkenntnisse kürzlich im Fachblatt Nature Aging. Demnach stellten sie fest, dass der menschliche Körper vor allem im Alter von 44 und dann noch einmal mit 60 Jahren besonders stark altert. Dabei unterscheiden sich die jeweiligen Alterungseffekte.

Die Forschenden analysierten für ihre Studie die Daten von 108 Personen im Alter von 25 bis 75 Jahren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spendeten dafür mehrere Jahre lang alle paar Monate Blut, gaben Stuhlproben ab und ließen Haut-, Mund- und Nasenabstriche machen. Die Proben wurden dann von den Wissenschaftlern hinsichtlich der Anzahl verschiedener Arten von Molekülen untersucht.

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Alterungsschübe: Das passiert im Körper mit Mitte 40 und Anfang 60

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass bei ihren Probanden die Anzahl der Moleküle, die mit dem Alterungsprozess zusammenhängen, unregelmäßig schwankten. Besonders stark veränderten sie sich demnach in den Mittvierzigern (insbesondere mit 44 Jahren) sowie mit 60 Jahren. 

In den Mittvierzigern veränderten sich der Studie zufolge vor allem die Moleküle, die mit Alkohol-, Koffein- und Fettstoffwechsel sowie mit Herz-Kreislauf-Funktionen zusammenhängen. Dabei traten die Veränderungen zur Überraschung der Wissenschaftler nicht nur bei Frauen auf, die üblicherweise in dieser Zeit die Wechseljahre erleben – auch Männer machten in dieser Periode offenbar einen deutlichen Alterungsschub durch.

In der zweiten Periode, mit Anfang 60, deuteten die Schwankungen der Moleküle auf veränderten Kohlenhydrat- und Koffeinstoffwechsel sowie Veränderungen bei der Immunregulation und Nierenfunktion hin. Moleküle, die mit der Haut- und Muskelalterung in Verbindung stehen, veränderten sich demnach zu beiden Zeitpunkten.

Alterung mit Mitte 40 angekurbelt: Auch alternative Erklärung möglich

Die Ergebnisse könnten erklären, warum bestimmte Gesundheitsprobleme wie Muskel-Skelett-Probleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in einem bestimmten Alter gehäuft auftreten. „Wir verändern uns nicht nur allmählich im Laufe der Zeit. Es gibt einige wirklich dramatische Veränderungen“, sagt Michael Snyder, Genetiker an der Stanford University und Hauptautor der Studie.

Die Autoren räumten in ihrer Studie jedoch ein, es sei auch möglich, dass einige der Veränderungen mit dem Lebensstil oder mit Verhaltensfaktoren zusammenhängen könnten. So könnte die Veränderung des Alkoholstoffwechsels auf einen erhöhten Alkoholkonsum mit Mitte 40 zurückzuführen sein, was eine stressige Lebensphase sein kann.

Die Ergebnisse könnten dennoch dazu beitragen, gezielte Maßnahmen gegen das Altern zu ergreifen, wie zum Beispiel mehr Bewegung in Zeiten eines schnelleren Muskelabbaus. Hauptautor Snyder sagt dazu: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir versuchen sollten, unseren Lebensstil anzupassen, solange wir noch gesund sind.“