Energiekrise

Ölschock: Hormus-Blockade treibt Energiepreise weiter – trotz US-Ausnahme für Russland-Sanktionen

Ölpreise klettern trotz Sanktionslockerung über 100 Dollar. USAusnahmen für russisches Öl bremsen Anstieg kaum. Aktuelle Infos zur Marktlage.

Hochfackel der PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder.
Hochfackel der PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder.dpa

Trotz der vorübergehenden Lockerung von US-Sanktionen steigen die Energiepreise weiter. Die Nordseesorte Brent notierte am Freitagmorgen bei rund 102 US-Dollar pro Barrel, die US-Sorte WTI bei etwa 98 US-Dollar. Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar hat sich der Ölpreis um mehr als ein Drittel verteuert.

US-Finanzminister Scott Bessent begründete die bis zum 11. April geltende Ausnahmeregelung für bereits auf See befindliches russisches Öl mit der Notwendigkeit, „Stabilität auf den globalen Energiemärkten“ zu sichern. Russland hat nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Barrel in Transit. Zusätzlich gab Washington 172 Millionen Barrel aus der strategischen Reserve frei, die Internationale Energieagentur koordinierte die Freigabe von insgesamt 400 Millionen Barrel durch Dutzende Staaten.

Nur gebremst, nicht gestoppt

Die Maßnahmen konnten den Preisanstieg jedoch nur bremsen. Bill Farren-Price vom Oxford Institute for Energy Studies nannte die Reservefreigabe ein „Pflaster auf einem viel größeren Problem“. Im Zentrum der Krise steht die Straße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Der Schiffsverkehr dort ist faktisch zum Erliegen gekommen.

Die Kritik an der Sanktionslockerung ist scharf: Der ukrainische Präsident Selenskyj sprach von einem „schweren Schlag“ für die Ukraine. Frankreichs Präsident Macron erklärte, die Blockade rechtfertige „in keiner Weise“ eine Aufhebung der Russland-Sanktionen. Großbritanniens Energieminister Shanks betonte, man dürfe Putin nicht ermöglichen, „in die Kriegsmaschinerie zu investieren“.

Russlands Wirtschaftsgesandter Dmitrijew hingegen erklärte, die USA würden anerkennen, dass der Energiemarkt ohne russisches Öl nicht stabil bleiben könne. Die US-Benzinpreise stiegen seit Kriegsbeginn um 22 Prozent, Diesel um 30 Prozent. Goldman Sachs warnte vor einem möglichen Anstieg auf 150 US-Dollar pro Barrel.