Angriffe auf Iran

Ölpreis auf 14-Monats-Hoch: Iran-Konflikt legt wichtigste Ölroute der Welt lahm

Die Ölpreise sind nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran in die Höhe gegangen. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus kann die Lage noch verschärfen.

Ein Öltanker in den Gewässern vor Iran.
Ein Öltanker in den Gewässern vor Iran.Sam/Imago

Die Ölpreise sind nach den US-israelischen Angriffen auf den Iran massiv gestiegen. Der Preis für Brent-Rohöl aus der Nordsee kletterte in den ersten Handelsminuten am Montag um bis zu 13 Prozent auf 82,37 US-Dollar je Barrel – den höchsten Stand seit 14 Monaten. Die US-Sorte West Texas Intermediate erreichte mit 75,33 US-Dollar den höchsten Wert seit Juni 2025. Zuletzt beruhigten sich die Notierungen leicht: Brent lag bei rund 78 US-Dollar, WTI bei 71,52 US-Dollar.

Auslöser der Turbulenzen sind die am Wochenende begonnenen US-israelischen Militärschläge gegen den Iran, bei denen unter anderem der iranische Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein. Rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte und ein erheblicher Teil der Gastanker passieren die Meerenge am Persischen Golf täglich.

Fahrten durch die Straße von Hormus teilweise gestoppt

Laut der britischen Sicherheitsbehörde UKMTO wurden bereits zwei Schiffe in der Meerenge angegriffen – eines vor Oman, eines vor den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das iranische Staatsfernsehen berichtete zudem, ein Öltanker sei beim Versuch, die Meerenge „illegal“ zu passieren, getroffen worden und sinke. Obwohl der Iran eine vollständige Blockade bisher nicht offiziell bestätigt hat, zeigen Schiffsverfolgungsdaten, dass sich Tanker auf beiden Seiten der Meerenge stauen, wie der britische Guardian berichtet. In einer solchen Lage würden die Versicherungskosten für Schiffe prohibitiv hoch, erklärte Amena Bakr, Leiterin der Nahost- und Opec+-Analyse beim Energiedatenunternehmen Kpler.

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) rief Schiffe dazu auf, die Region zu meiden. Generalsekretär Arsenio Dominguez äußerte sich besorgt über Berichte, wonach mehrere Seeleute bei Angriffen verletzt wurden. Auch die Reederei Maersk stoppte am Sonntag alle Durchfahrten durch die Straße von Hormus und den Suezkanal aus Sicherheitsgründen.

US-Präsident Donald Trump deutete an, der Konflikt könne noch vier Wochen andauern. Die Angriffe würden fortgesetzt, bis die amerikanischen Ziele erreicht seien.

Ausfall von bis zu 10 Millionen Barrel täglich möglich

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, sei das Ausmaß eines möglichen Versorgungsausfalls enorm. Jorge Leon, Analyst beim Energieforschungsunternehmen Rystad Energy, bezifferte den potenziellen Verlust bei einer vollständigen Schließung der Straße von Hormus auf 8 bis 10 Millionen Barrel pro Tag. Selbst die strategischen Ölreserven der OECD-Staaten, die für 90 Tage reichen sollen, könnten diese Lücke nicht füllen, warnte Bakr von Kpler: „Diese Lücke ist einfach zu groß.“

Der Ölverbund Opec+ beschloss am Sonntag auf einem planmäßigen Treffen, die Tagesproduktion um 206.000 Barrel zu steigern. Der Krieg wurde in der Erklärung nicht erwähnt, stattdessen begründete die Gruppe den Schritt mit stabilen Wirtschaftsaussichten und niedrigen Lagerbeständen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wiesen Analysten der Energieberatung Wood Mackenzie allerdings darauf hin, dass ein Großteil der zusätzlichen Fördermengen per Tanker aus dem Nahen Osten verschifft werden müsse und bei einer Sperrung der Meerenge nicht verfügbar sei. Der Iran selbst fördert 4,5 Prozent des weltweiten Ölangebots.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, warnte, bei einer längeren Blockade der Straße von Hormus könne der Brent-Preis in Richtung 100 Dollar steigen. Ein monatelang erhöhter Ölpreis auf diesem Niveau würde die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt anheben und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel senken. Analysten der Deutschen Bank merkten an, die höheren Ölpreise selbst könnten eine „Deeskalationsdynamik auslösen“.

Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls: Der japanische Nikkei 225 fiel zeitweise um 2,4 Prozent, erholte sich dann auf ein Minus von 1,5 Prozent. Die Börse in Sydney schloss nahezu unverändert, der chinesische CSI 300 drehte nach anfänglichen Verlusten leicht ins Plus. Gold als klassischer Krisenwert stieg um 2,8 Prozent auf 5397 Dollar je Unze.