Migration

Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Tegel offiziell geschlossen

Nach fast vier Jahren ist Deutschlands einst größte Notunterkunft geschlossen worden. Der Standort bleibt dennoch eine Anlaufstelle für Geflüchtete.

Etwa 110.000 Menschen sind in der Notunterkunft in Berlin-Tegel in den vergangenen Jahren versorgt worden.
Etwa 110.000 Menschen sind in der Notunterkunft in Berlin-Tegel in den vergangenen Jahren versorgt worden.Sebastian Gollnow/dpa

Die Flüchtlingsnotunterkunft in Berlin-Tegel ist mit dem neuen Jahr nun offiziell nicht mehr in Betrieb. Etwa 110.000 geflüchtete Menschen waren seit dem 20. März 2022 auf dem Gelände aufgenommen, versorgt, medizinisch betreut und bundesweit weitervermittelt worden. Es handelte sich um die größte Notunterkunft Deutschlands, in der bis zu 5500 Menschen gleichzeitig leben konnten.

„Tegel entwickelte sich zu einem Symbol für schnelle Hilfe, Solidarität und eine einzigartige Zusammenarbeit der Berliner Hilfsorganisationen“, teilten Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst mit. Die Organisationen hatten die Unterkunft gemeinsam betrieben, die bereits seit dem 18. Dezember leersteht.

Das Zentrum war im März 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine aufgebaut worden. Es stand immer wieder wegen hoher Kosten und schlechter Unterbringungszustände in der Kritik. Geplant war, dass Neuankömmlinge dort nur für kurze Zeit untergebracht werden sollten. Allerdings lebten viele Flüchtlinge mehrere Monate oder noch länger in den Hallen auf dem ehemaligen Flughafengelände.

Menschen aus 99 Staaten betreut

Die Hilfsorganisationen teilten anlässlich der offiziellen Schließung diverse Zahlen zum Betrieb der Notunterkunft mit. Unter den 110.000 aufgenommenen Geflüchteten waren demnach 26.841 Kinder und Jugendliche sowie 1457 Babys bis zu einem Jahr, davon 156 Neugeborene. Es wurden Menschen aus 99 Staaten betreut und Sprachmittler unterstützten in 40 Sprachen. Auch 2123 Tiere wurden aufgenommen, die Geflüchtete vor allem aus der Ukraine mitbrachten – vom Hund bis zum Weißbauchigel.

Obwohl die Notunterkunft geschlossen wurde, bleibt Tegel eine Anlaufstelle für Flüchtlinge. Dort wird nun ein zentrales Ankunftszentrum für Asylsuchende und Geflüchtete aufgebaut. Bis zu 2600 Menschen sollen dort Platz finden. Neuankömmlinge sollen dort in der Regel in einer Woche einen einheitlichen Aufnahmeprozess durchlaufen, der auf eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) zurückgeht.

Außerdem sollen im früheren Terminal C des Flughafens vorübergehend 500 Plätze für Geflüchtete geschaffen werden. Diese leben dann in einem festen Gebäude, nicht mehr in Leichtbauhallen.