Energiekrise

Nahost-Krieg treibt Ölpreise: Südkorea greift mit Benzinpreisdeckel ein

Die südkoreanische Regierung will noch in dieser Woche einen Höchstpreis für Kraftstoffe einführen. Es wäre das erste Mal seit fast drei Jahrzehnten.

Südkoreas Regierung reagiert auf steigende Ölpreise mit einem Preisdeckel für Kraftstoffe.
Südkoreas Regierung reagiert auf steigende Ölpreise mit einem Preisdeckel für Kraftstoffe.Yonhap News/imago

Die Regierung in Seoul führt erstmals seit 1997 Preisdeckel für Kraftstoffe ein. Präsident Lee Jae-myung ordnete die Maßnahme am Montag bei einem Krisentreffen im Präsidentensitz Cheongwadae an, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Ziel sei es, die wirtschaftlichen Folgen des durch die US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar ausgelösten Konflikts abzufedern.

Der Brent-Ölpreis hat die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten. In Seoul stieg der durchschnittliche Benzinpreis auf 1949 Won (rund 1,30 Dollar) pro Liter – ein Plus von elf Prozent innerhalb weniger Tage, wie Daten des staatlichen Preisportals der Korea National Oil Corporation zeigen.

Regierung will Importe breiter verteilen

Kim Yong-beom, der politische Stabschef des Präsidenten, erklärte laut Yonhap, das Industrieministerium werde die notwendigen Verfahren zügig einleiten. Der Höchstpreis solle in einem zweiwöchigen Zyklus angepasst werden, berichtet der Korea Herald. Rechtsgrundlage ist das Erdölwirtschaftsgesetz von 1970, das zuletzt während der Ölkrisen der 1970er-Jahre und des Golfkriegs Anfang der 1990er-Jahre angewandt wurde.

Südkorea importiert rund 94 Prozent seiner Energie, etwa 70 Prozent der Rohölimporte laufen durch die vom Iran kontrollierte Straße von Hormus. Laut Kim würde eine Schließung der Meerenge täglich 1,7 Millionen Barrel gefährden. Das Land verfüge jedoch über strategische Reserven von 190 Millionen Barrel – genug für 208 Tage. Mittelfristig wolle man die Importquellen diversifizieren, so Kim.

Die Regierung sorge sich über „asymmetrische Preisgestaltung“: Tankstellen erhöhten Preise schnell, senkten sie aber nur zögerlich. Mögliche Absprachen würden untersucht.

Die Finanzmärkte reagierten heftig: Der Leitindex Kospi brach am Montag zeitweise um sechs Prozent ein, der Won fiel auf fast 1500 Won je Dollar, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Präsident Lee Jae-myung wies die Regierung an, das Marktstabilisierungsprogramm von 100 Billionen Won (rund 67 Milliarden Dollar) bei Bedarf zu erweitern.