Südkorea hat vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs eine Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über eine Notfalllieferung von mehr als sechs Millionen Barrel Rohöl getroffen. Das teilte das koreanische Präsidialamt am Freitag mit, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet.
Stabschef Kang Hoon-sik erklärte, man habe auf Anweisung des Präsidenten Lee Jae-myung intensive Gespräche über Maßnahmen zur Sicherung zusätzlicher Ölimporte geführt. Die bestätigte Menge von rund sechs Millionen Barrel entspreche mehr als dem doppelten Tagesverbrauch Südkoreas und solle zur Stabilisierung der heimischen Ölpreise beitragen, hieß es.
Hintergrund der Notfallmaßnahme ist der Krieg von Israel und den USA mit dem Iran. Dieser hat dazu geführt, dass die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Seehandelsrouten für den globalen Ölhandel – faktisch blockiert ist. Rund 70 Prozent des in Südkorea verbrauchten Rohöls werden laut Yonhap normalerweise durch diese Meerenge transportiert.
Zwei Tanker sollen Öl über alternative Route laden
Konkret sollen zwei südkoreanische Öltanker einen Hafen in den VAE über eine Route anlaufen, die nicht über die Straße von Hormus führt, um dort vier Millionen Barrel zu laden. Weitere zwei Millionen Barrel stammen aus einer gemeinsamen Reserve, die die VAE in Südkorea eingelagert haben, so Kang.
Südkorea ist laut einem Bericht der Korea Times der viertgrößte Rohölimporteur der Welt und nahezu vollständig auf ausländische Energielieferungen angewiesen, da das Land über keine nennenswerten eigenen Erdölvorkommen verfügt. Der Großteil der Importe stammt demnach aus dem Nahen Osten, insbesondere aus Saudi-Arabien, den VAE und Kuwait.
Die stark gestiegenen Rohölpreise wirken sich dem Bericht zufolge bereits auf die Verbraucher in Südkorea aus: Die Benzin- und Dieselpreise an den Tankstellen seien gestiegen und belasten Haushalte und Unternehmen. Präsident Lee hatte Anfang der Woche die Aufsichtsbehörden angewiesen, den Markt genau zu beobachten und Strafen gegen Unternehmen zu verhängen, die überhöhte Preise verlangen.
Südkorea will außerdem die Rückkehr seiner Staatsbürger aus der Region voranbringen. Laut Kang befinden sich derzeit 18.000 Südkoreaner in 14 Ländern des Nahen Ostens, davon etwa 4900 Kurzreisende. Rund 3500 von ihnen halten sich in den VAE und Katar auf.
Ein Passagierflug aus Dubai wird laut Yonhap am Freitagabend am Flughafen Incheon in Seoul erwartet. Zudem sollen kommerzielle Flüge ab Abu Dhabi am Samstag wieder aufgenommen und eine Chartermaschine von Korean Air entsandt werden, erklärte Kang.


