Ukraine-Krieg

Nach Starlink-Sperre: Russische Armee bringt neue Satellitenterminals an die Front

Die Sperrung nicht verifizierter Starlink-Terminals trifft Russlands Militär hart. Nach ukrainischen Angaben weicht Moskau nun auf alternative Satellitensysteme aus.

Ein russischer Soldat startet eine Drohne für einen Einsatz an einem nicht genannten Ort in der Ukraine.
Ein russischer Soldat startet eine Drohne für einen Einsatz an einem nicht genannten Ort in der Ukraine.Russian Defense Ministry Press/dpa

Nach der gezielten Sperrung nicht verifizierter Starlink-Terminals durch SpaceX bringt das russische Militär nach Angaben aus der Ukraine eilig alternative Kommunikationssysteme an die Front. „Es gibt Berichte über die eilige Lieferung von Satelliteninternetterminals an die feindlichen Frontabschnitte“, erklärte der ukrainische Elektronikexperte Serhii Beskrestnow am 9. Januar auf Telegram.

Bes­krest­now, auch bekannt unter dem Spitznamen „Flash“ und Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, sagte, ein Großteil der russischen Einheiten habe nach der Sperre den Zugang zum Satelliteninternet verloren. Hintergrund ist ein Verifizierungs- und Whitelist-System, das SpaceX in Zusammenarbeit mit der Ukraine eingeführt hat. Es erlaubt nur noch autorisierten Starlink-Terminals den Zugang zum Netzwerk.

Zuvor hatten ukrainische Stellen berichtet, dass russische Truppen Starlink-Geräte für militärische Zwecke nutzten, unter anderem an Langstreckendrohnen. Daraufhin wurden nicht verifizierte Terminals von Elon Musks Unternehmen SpaceX gesperrt. Unter Sanktionen der USA ist der Verkauf und Betrieb von Starlink in Russland untersagt.

Russland setzte illegal beschaffte Starlink-Terminals ein

Russland hatte nach Angaben mehrerer Medien über längere Zeit hinweg auf Tausende illegal beschaffte Starlink-Terminals gesetzt, um die Kommunikation seiner Truppen entlang der Front sicherzustellen. Die Geräte sollen häufig über Drittstaaten in Zentralasien nach Russland gelangt sein. Starlink ermöglichte es russischen Einheiten, Truppenbewegungen zu koordinieren und Drohneneinsätze in Echtzeit zu steuern, insbesondere in Gebieten, in denen herkömmliche Funktechnik als störanfällig gilt.

Nach der Sperre werden nach Angaben Beskrestnows nun verstärkt alternative russische Internetdienste eingesetzt, die auf den Satelliten Yamal und Express basieren. Die zugehörigen Antennen ähnelten klassischen Satellitenschüsseln mit einem Durchmesser von 60 bis 120 Zentimetern, seien rund oder oval und deutlich sichtbar. Sie müssten nach Südosten oder Süden ausgerichtet sein und könnten nicht verdeckt betrieben werden, schrieb er.

Zudem sei es möglich, die Antennen weiter hinter der Front zu platzieren und die Verbindung über WLAN-Brücken zu vorgeschobenen Stellungen herzustellen.

Russlands Armee musste auf Walkie-Talkies ausweichen

Die Maßnahme hat in Russland scharfe Kritik ausgelöst, insbesondere in regierungsnahen Militärblogs. Der prorussische Kommentator Jurij Podoljaka schrieb, die Kommunikation befinde sich „im Chaos“, betonte jedoch, dass auch die ukrainische Seite vorübergehend betroffen gewesen sei. Andere Kanäle warfen der russischen Militärführung vor, sich von einer Technologie abhängig gemacht zu haben, die letztlich außerhalb ihrer Kontrolle liege.

Das Portal The Moscow Times berichtete unter Berufung auf Soldaten, dass russische Einheiten nach der Starlink-Sperre teils wieder auf einfache Funkgeräte, also Walkie-Talkies, angewiesen seien. Ukrainische Partisanen erklärten am 6. Februar, die eingeschränkte Kommunikation habe russische Gefechtsstände zeitweise „faktisch gelähmt“ und zu Fällen von Eigenbeschuss geführt.