Iran-Krieg

Nach Raketenabschuss: Türkei stationiert Patriot-System nahe Nato-Radarstützpunkt

Die Türkei meldete in den vergangenen Tagen zwei Raketenangriffe aus dem Iran. Nun verstärkt das Land seine Luftverteidigung.

Deutsche Soldaten stehen in Kahramanmaras in der Türkei vor einer „Patriot“-Feuereinheit.
Deutsche Soldaten stehen in Kahramanmaras in der Türkei vor einer „Patriot“-Feuereinheit.Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Türkei wird nach eigenen Angaben ein US-amerikanisches Patriot-Flugabwehrsystem im Zentrum des Landes stationieren. In der Provinz Malatya befindet sich der Nato-Radarstützpunkt Kürecik, der einem Reuters-Bericht zufolge wichtige Daten für das Bündnis liefert und dazu beitrug, zwei Raketen zu identifizieren, die in den vergangenen Tagen auf die Türkei zusteuerten.

Am Montag hatte die Türkei nach eigenen Angaben zum zweiten Mal eine Rakete aus dem Iran abgewehrt. Das Land ergreife nun „die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung unserer Grenzen und unseres Luftraums“ und berate „mit der Nato und unseren Verbündeten“, erklärte das türkische Verteidigungsministerium. Zusätzlich zu Maßnahmen auf nationaler Ebene habe „die Nato ihre Luft- und Raketenabwehrmaßnahmen verstärkt“.

Patriot-System aus Spanien befindet sich in der Türkei

Woher genau das Patriot-System verlegt wird, war zunächst unklar. Laut Reuters gibt es Spekulationen, wonach Washington eine Umverteilung militärischer Mittel prüft, darunter auch Patriot-Systeme, die derzeit in Südkorea stationiert sind. In der Türkei befindet sich bereits ein spanisches Patriot-System im Rahmen der Nato-Verteidigung.

Nach dem zweiten Abschuss schlossen die USA ihr Konsulat in der südtürkischen Stadt Adana und rieten allen US-Bürger dringend, den Südosten der Türkei zu verlassen. Nur rund zehn Kilometer von Adana entfernt liegt der Luftwaffenstützpunkt Incirlik, auf dem US-Truppen stationiert sind. Kürecik befindet sich etwa 350 Kilometer weiter nordöstlich.

Iran bestreitet Angriffe auf Türkei

Nach dem Abschuss am Montag telefonierten der iranische Präsident Massud Peseschkian und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan miteinander, wie das türkische Präsidialamt auf X mitteilte. Peseschkian erklärte dabei, dass „die Raketen, die in den türkischen Luftraum eingedrungen seien, nicht iranischen Ursprungs seien“ und dass die Angelegenheit gründlich untersucht werde.

Erdogan sagte, dass eine Verletzung des türkischen Luftraums unter keinen Umständen akzeptabel sei und die Türkei „alle notwendigen Maßnahmen gegen solche Verletzungen ergreifen wird“.

Obwohl die Türkei zweitgrößte Armee innerhalb der Nato unterhält, verfügt das Land trotz eigener Entwicklungsbemühungen nicht über ein vollständiges eigenes Luftverteidigungssystem. Bei beiden Raketenabfängen der vergangenen Woche war Ankara auf Nato-Abwehrsysteme angewiesen, wie Reuters berichtet. (mit AFP)