Die Moskauer Polizei untersucht Berichten zufolge den Tod eines weiteren Prominenten, der in Russland aus einem Fenster in den Tod gestürzt ist. Wie die britische Daily Mail berichtet, wurde der ehemalige Leiter des Verlagshauses Prawda, Wjatscheslaw Leontjew (87), tot vor seinem Wohnhaus gefunden. Offenbar war er am Samstagabend aus einem Fenster im siebten Stock rund 20 Meter in die Tiefe gefallen. Die Polizei untersuche nun, ob es sich um einen Unfall, Selbstmord oder ein Verbrechen handelt.
Leontjew leitete die berühmte sowjetische Zeitung Prawda („Wahrheit“), das zentrale Organ der regierenden Kommunistischen Partei, und blieb auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in dieser Funktion tätig. Der Daily Mail zufolge galt Leontjew als jemand, der über das geheime Vermögen der Partei gut Bescheid wusste.
So kommentierte der im Exil lebende Journalist Andrej Malgin den „merkwürdigen Tod“ auf Telegram: „Die Fensterstürze gehen weiter“. Malgin, der Leontjew persönlich kannte, schrieb weiter, dieser habe den Eindruck eines „heimlichen Millionärs“ gemacht: „Er wusste viel über das ‚Geld der Partei‘ – das Verlagshaus Pravda war das profitabelste Unternehmen im Wirtschaftsimperium des Zentralkomitees der KPdSU.“
Zahlreiche mysteriöse Todesfälle in den vergangenen Jahren in Russland
Russland verzeichnet seit Beginn und kurz vor dem Krieg in der Ukraine eine Reihe mysteriöser Todesfälle unter Spitzenmanagern großer Unternehmen. Erst im vergangenen Monat wurde die Leiche des ehemaligen Verkehrsleiters von St. Petersburg, Alexander Fedotow, vor dem Fünf-Sterne-Hotel Skypoint Luxe am Moskauer Flughafen Scheremetjewo gefunden. Laut Berichten hatte er auf einer Geschäftsreise in einem Zimmer in einem der oberen Stockwerke gewohnt. Eine Strafuntersuchung wurde eingeleitet, ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Fedotow galt als Vertrauter von Roman Starowoit (53), Putins ehemaligem Verkehrsminister, dessen Tod im Juli offiziell wenige Stunden nach seiner Entlassung als Selbstmord eingestuft wurde.
Im Juli starb zudem der Vizepräsident von Transneft, Andrej Badalow, laut russischen Medien bei einem Sturz aus dem Fenster. Transneft ist ein russisches Staatsunternehmen mit Firmensitz in Moskau, das die Erdöl-Pipelines des Landes betreibt. Zuvor arbeitete Badalow am Voskhod Research Institute, wo er sich mit der Automatisierung und Digitalisierung von Produktionsprozessen beschäftigte.
Im Oktober vergangen Jahres starb der ehemalige Vizepräsident des aufgelösten Energiekonzerns Yukos, Michail Rogachev, offiziellen Angaben zufolge ebenfalls nach einem Sturz aus einem Fenster seiner Wohnung. Im Juli desselben Jahres war zudem die russische Ökonomin Valentina Bondarenko bei einem rätselhaften Fenstersturz aus ihrer Moskauer Wohnung im Alter von 82 Jahren ums Leben gekommen. Die genauen Umstände des mutmaßlichen Sturzes blieben auch in ihrem Fall unbekannt. Russischen Zeitungen zufolge war nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder Suizid handelte.
Marina Jankina, die 58-jährige Chefin des Finanz-Departments des russischen Verteidigungsministeriums, wurde im Februar 2023 ebenfalls tot aufgefunden, nachdem sie in St. Petersburg aus einem Fenster gestürzt war. Wenige Tage zuvor ereilte den ehemaligen russischen Generalmajor Wladimir Makarow das gleiche Schicksal – nur wenige Wochen nachdem er aus dem Dienst entlassen wurde. Russischen Behörden zufolge handelte es sich um Selbstmord.
Zu den Dutzenden weiterer verdächtiger Todesfälle gehört auch der des Lukoil-Milliardärs Ravil Maganow (67), der im September 2022 aus einem Fenster des renommierten Zentralen Klinischen Krankenhauses in Moskau – auch bekannt als Kreml-Klinik – stürzte.


