Ukraine-Krieg

„Angriff auf uns alle“: Moldau ruft Energie-Notstand aus und macht Russland verantwortlich

Nach Schäden an einer zentralen Stromleitung warnt die Regierung vor möglichen Ausfällen. Hintergrund sind russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine.

Moldaus Ministerpräsident Alexandru Munteanu sagt, die russischen Angriffe hätten „Kettenreaktionen“ ausgelöst.
Moldaus Ministerpräsident Alexandru Munteanu sagt, die russischen Angriffe hätten „Kettenreaktionen“ ausgelöst.Vadim Denisov/imago

Die Regierung in Moldau will wegen der angespannten Energieversorgung einen Notstand ausrufen. Hintergrund sind nach Angaben der Behörden Schäden an der Energieinfrastruktur infolge russischer Angriffe auf die benachbarte Ukraine. Im schlimmsten Fall drohen zeitweise Stromabschaltungen.

Das Parlament sollte am Dienstag in einer Sondersitzung über den 60-tägigen Energie-Notstand abstimmen, wie der Sender TV8 unter Berufung auf Regierungsangaben berichtete. Ministerpräsident Alexandru Munteanu erklärte demnach, der Krieg Russlands gegen die Ukraine treffe zunehmend auch die Region. Die Angriffe auf kritische Infrastruktur hätten „Kettenreaktionen“ ausgelöst, die Moldau inzwischen direkt spüre.

Wichtige Stromleitung ausgefallen

Auslöser der Krise ist nach Angaben der Behörden der Ausfall der Hochspannungsleitung zwischen Isaccea in Rumänien und Vulcănești in Moldau. Sie gilt als wichtigste Route für Stromimporte aus der Europäischen Union. Die Leitung war am Abend des 23. März außer Betrieb gegangen.

Der Ausfall stand nach Angaben des Senders TV8 im Zusammenhang mit Drohnenangriffen auf die ukrainische Region Odessa. Moldauische Behörden meldeten zudem Trümmerteile in der Nähe beschädigter Infrastruktur entlang der Leitung. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.

Die Präsidentin Moldaus, Maia Sandu, schrieb auf der Plattform X, russische Angriffe auf zivile Energieinfrastruktur in der Ukraine seien „ein Kriegsverbrechen – und ein Angriff auf uns alle“. Die nächtlichen Angriffe hätten die wichtigste Stromverbindung Moldaus mit Europa unterbrochen. Es gebe alternative Routen, die Lage bleibe jedoch fragil. Russland trage die Verantwortung.

Der Leiter des nationalen Krisenzentrums, Sergiu Diaconu, sprach laut TV8 von „technischen Störungen“, die auf einen schweren Kurzschluss hindeuteten und eine spezialisierte Reparatur erforderten.

Moldaus Regierung bereitet Notmaßnahmen vor

Mit dem Notstand will die Regierung schneller reagieren können. Nach offiziellen Angaben sollen Ressourcen gebündelt, Reparaturen beschleunigt und im Bedarfsfall auch Tarife kurzfristig angepasst werden, um Engpässe bei Energie und Treibstoffen zu vermeiden.

Gemeinsam mit dem Energieministerium arbeitet das Krisenzentrum an einem Maßnahmenpaket. Dieses umfasst unter anderem die Sicherung der Energieversorgung, den Schutz kritischer Infrastruktur sowie Notfallpläne für zentrale Bereiche wie Gesundheitswesen, Wasserversorgung und öffentliche Sicherheit. Auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollen sich vorbereiten, etwa durch alternative Energiequellen und angepasste Abläufe.

Appell an Bevölkerung

Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, Strom sparsam zu nutzen und sich auf mögliche Ausfälle einzustellen. Empfohlen wird unter anderem, wichtige Geräte rechtzeitig zu laden, alternative Lichtquellen bereitzuhalten und Aufzüge bei Spannungsschwankungen nicht zu benutzen. Die Regierung kündigte an, die Öffentlichkeit laufend über die Entwicklung zu informieren.

Region zunehmend unter Druck

Sicherheits- und Energieexperten sehen Moldau seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine besonders verwundbar. Das Land ist stark von Energieimporten abhängig und verfügt nur über begrenzte eigene Kapazitäten.