Migration

Bericht: Mehrheit der Spanier lehnt laut Umfrage Massenregularisierung von Migranten ab

Laut einer Umfrage lehnen zwei Drittel der Spanier die Migrationspolitik der Regierung ab. Sánchez verteidigt die Maßnahme und ordnet die Kritik der politischen Rechten zu.

Spaniens Premierminister Pedro Sánchez verteidigt seine Migrationspolitik.
Spaniens Premierminister Pedro Sánchez verteidigt seine Migrationspolitik.Lorena Sopena Lopez/imago

Eine Umfrage des Instituts SocioMétrica im Auftrag des spanischen Nachrichtenportals El Español kommt zu dem Ergebnis, dass 66,7 Prozent der Spanierinnen und Spanier die von der Regierung beschlossene Massenregularisierung von Migranten ablehnen. Bei den 17- bis 25-Jährigen liegt der Anteil laut El Español bei 80,5 Prozent, lediglich 32,6 Prozent der Befragten unterstützen die Maßnahme.

Für die Erhebung befragte SocioMétrica zwischen dem 15. und 18. April 2026 nach Angaben der Zeitung 1712 wahlberechtigte Spanierinnen und Spanier online. Die Stichprobe wurde nach Geschlecht, Alter, Provinz und früherem Wahlverhalten gewichtet; die Fehlerquote gibt das Institut mit etwa ±3 Prozent an.

Ministerpräsident Pedro Sánchez verteidigte die Regularisierung am Samstag bei der von der Sozialistischen Internationale in Barcelona organisierten Konferenz „Global Progressive Mobilisation“. „Spanien ist eine Tochter der Einwanderung und wird nicht zur Mutter der Fremdenfeindlichkeit“, sagte Sánchez laut El Español und ordnete die Kritik der „Rechten und Ultrarechten“ zu.

Die Umfrage weist die Ablehnung allerdings auch in anderen Wählergruppen aus: 37 Prozent der Anhänger seiner sozialistischen PSOE lehnen die Maßnahme demnach ab, ebenso 43,4 Prozent der Wähler nationalistischer Parteien sowie 85 Prozent der konservativen PP- und 97,5 Prozent der rechten Vox-Wähler.

Sorge vor „Sogeffekt“

72 Prozent der von SocioMétrica Befragten erwarten einen „Sogeffekt“ durch zusätzliche irreguläre Einwanderung; 70,5 Prozent halten die Sicherheitsvorkehrungen für unzureichend. Nach einem ersten Entwurf reicht für eine Teilnahme am Verfahren eine eidesstattliche Erklärung über fehlende Vorstrafen aus.

Die Regierung beziffert die Zahl der Begünstigten auf rund 500.000 Menschen. Ein interner Bericht des Generalkommissariats für Ausländerangelegenheiten und Grenzen der spanischen Polizei, über den die Zeitung El Confidencial berichtete, geht hingegen von bis zu 1,3 Millionen Personen aus. Die Beamten erwarten zudem jährlich 200.000 bis 250.000 sogenannte Sekundärbewegungen aus anderen EU-Staaten sowie 6000 bis 12.000 zusätzliche Ankünfte über das Mittelmeer pro Jahr, weil Spanien international als „permissivstes“ Land im Schengen-Raum wahrgenommen werde.

Das Inklusionsministerium unter Ministerin Elma Saiz wies diese Einschätzung laut El Confidencial zurück. Ein klar definierter Stichtag und ein geschlossener Antragszeitraum erzeugten keinen Sogeffekt; die Regularisierung sei vielmehr das wirksamste Mittel gegen die Ausbeutung irregulärer Migranten.

Migration nicht die größte Sorge der Spanier

Der Staatssekretär für Sozialversicherung und Renten, Borja Suárez Corujo, erklärte gegenüber der New York Times: „Migration ist der einzige Weg nach vorn.“ Seit 2019 seien fast 40 Prozent aller neuen Arbeitsplätze in Spanien von Einwanderern besetzt worden. Eine in den Journals der University of Chicago veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine frühere Legalisierung die jährlichen Steuereinnahmen um rund 4000 Euro pro legalisiertem Migranten gesteigert habe.

In einer im April veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Soziologische Forschung (CIS), des offiziellen spanischen Instituts für Sozial- und Meinungsforschung, gaben rund 16 Prozent der Befragten an, dass Migration zu den drei Themen gehört, die ihnen am meisten Sorgen bereiten. Damit lag das Thema auf Platz vier hinter Problemen bei der Wohnsituation, der wirtschaftlichen Lage und der Beschäftigungsqualität. Befragt wurden laut CIS rund 4000 Spanierinnen und Spanier ab 18 Jahren.