Social-Media-Sucht

Millionen-Urteil gegen Meta und Google könnte Klagewelle auslösen

Ein US-Gericht hat die Konzerne Meta und Google wegen Suchtgefahr zu Millionenzahlungen verurteilt. Das könnte erst der Anfang sein: Über 1500 ähnliche Klagen warten auf Verhandlung.

Meta-CEO Mark Zuckerberg nach seiner Aussage beim Prozess um das Suchtpotenzial sozialer Medien in Los Angeles.
Meta-CEO Mark Zuckerberg nach seiner Aussage beim Prozess um das Suchtpotenzial sozialer Medien in Los Angeles.Damian Dovarganes/dpa

Ein Geschworenengericht in Los Angeles hat die Plattformen Instagram und YouTube für die Suchterkrankung einer jungen Frau haftbar gemacht und die Mutterkonzerne Meta und Google zu insgesamt drei Millionen Dollar (rund 2,6 Millionen Euro) Schmerzensgeld verurteilt, wie CNN berichtet. Die Jury befand mit zehn zu zwei Stimmen, dass beide Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Plattformen fahrlässig handelten, die Gefahren kannten und Nutzer nicht ausreichend warnten.

Laut CNN entfallen 70 Prozent der Verantwortung auf Meta, 30 Prozent auf YouTube. Meta muss demnach 2,1 Millionen Dollar zahlen, YouTube 900.000 Dollar. Dabei handelt es sich zunächst nur um das Schmerzensgeld. In einem zweiten Schritt wird die Jury laut CNN darüber entscheiden, ob die Konzerne zusätzlich einen sogenannten Strafschadenersatz zahlen müssen – eine im US-Recht übliche Zusatzstrafe, deren Höhe sich am Vermögen der Unternehmen bemisst und die deutlich höher ausfallen könnte.

Angstzustände und Suizidgedanken

Die heute 20-jährige Klägerin Kaley hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ausgesagt, sie sei als Minderjährige von den Plattformen abhängig geworden. Dies habe bei ihr Angstzustände, eine gestörte Körperwahrnehmung und Suizidgedanken ausgelöst. Laut AFP sagte sie vor Gericht: „Jedes Mal, wenn ich versuchte, mich davon zu lösen, funktionierte es einfach nicht.“ Ihr Anwalt Mark Lanier erklärte laut AFP, sie habe bis zu 16 Stunden täglich auf Instagram verbracht.

Beide Konzerne kündigten an, das Urteil anzufechten, wie CNN berichtet. Ein Meta-Sprecher erklärte, man sei mit dem Urteil nicht einverstanden und prüfe die rechtlichen Möglichkeiten. Google-Sprecher José Castañeda sagte laut CNN, YouTube sei „eine verantwortungsvoll aufgebaute Streaming-Plattform, keine Social-Media-Seite“.

Während des siebenwöchigen Prozesses sagten laut CNN unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri aus. Mosseri räumte ein, dass Social-Media-Nutzung „problematisch“ sein könne, bestritt aber ein klinisches Suchtpotenzial. Zuckerberg gestand laut AFP Probleme bei der Alterskontrolle ein.

Prozess könnte über 1500 weitere Klagen beeinflussen

Lanier argumentierte laut AFP, die Konzerne hätten bewusst „eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt“, um Nutzer möglichst lange auf den Plattformen zu halten und Werbeeinnahmen zu steigern. Interne Dokumente zeigten laut CNN, dass Meta etwa sogenannte „Beauty-Filter“ trotz Warnungen von Mitarbeitern und Experten zuließ.

Das Verfahren gilt als Musterprozess: Laut CNN warten mehr als 1500 ähnliche Klagen auf eine Verhandlung. Klagen von Schulbezirken und Generalstaatsanwälten sollen noch in diesem Jahr folgen. AFP berichtete, dass die Anwaltsstrategie an die erfolgreichen Klagen gegen die Tabakindustrie in den 1990er Jahren erinnere.

Ursprünglich richtete sich die Klage auch gegen TikTok und Snapchat, die sich laut beiden Quellen jedoch vorab außergerichtlich einigten. In Australien ist die Nutzung sozialer Medien für unter 16-Jährige bereits verboten. Auch in Deutschland wird über ähnliche Maßnahmen diskutiert.