Entlang der europäischen Atlantikküste sind in den vergangenen Wochen Tausende tote oder stark geschwächte Seevögel angespült worden – vor allem Papageitaucher, aber auch Trottellummen und Tordalke. Fachleute sprechen von einem sogenannten „Wreck“, einem Massensterben, wie die BBC und der Guardian berichten.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte dabei laut Guardian weit höher liegen als die Strandfunde vermuten lassen: Da Papageitaucher den Winter normalerweise weit draußen auf dem offenen Nordatlantik verbringen, werden zahllose Kadaver niemals an Land gespült.
Auslöser war eine Serie schwerer Winterstürme im Februar, die den Nordatlantik über Tage hinweg aufwühlten. Anhaltend hoher Wellengang und schlechte Sicht machten die Nahrungssuche laut der European Rangers Federation nahezu unmöglich. Da die Vögel in kalten Gewässern einen sehr hohen Kalorienbedarf haben, verhungerten viele nach tagelangem Fasten.
Zahl der gestrandeten Vögel dieses Jahr hoch
Roland Gauvain, Leiter des Alderney Wildlife Trust, sagte der BBC, die Zahl der gestrandeten Vögel habe bereits die Marke von 10.000 überschritten – eine Zahl, die er als Untergrenze betrachtet. In Portugal dokumentierten Naturschutzorganisationen laut der European Rangers Federation bis zum 24. Februar mehr als 2300 Vögel. In Cornwall meldete der Cornwall Wildlife Trust 262 angespülte Papageitaucher allein in den Monaten Januar und Februar – im gesamten Vorjahr waren es nur zwei. An der baskischen Küste bei Hendaye sammelte Ranger Txomin Millet am ersten Tag nach dem Sturm rund 150 Papageitaucher ein, wie die European Rangers Federation berichtet.
Der RSPB warnte laut dem Guardian, dass die Stürme eine ohnehin angespannte Lage verschärfen: Vogelgrippe, der Rückgang von Sandaalen als Hauptnahrung und zunehmende Meeresverschmutzung setzen den Beständen bereits seit Jahren zu. Die steigende Häufigkeit und Intensität der Winterstürme sei eine direkte Folge der Klimakrise.
Ranger und freiwillige Helfer entlang der gesamten Küste versuchten, überlebende Vögel zu retten. Im baskischen Gorliz und in der Tierarztpraxis Rosemullion im englischen Falmouth wurden geschwächte Tiere aufgepäppelt. Das letzte vergleichbare Massensterben ereignete sich im Jahr 2014, als bis zu 54.000 gestrandete Vögel gezählt wurden.


