Staatskrise

Madagaskar: Übergangspräsident Randrianirina entlässt Premier und gesamtes Kabinett

Der Oberst setzt die Regierung nur knapp fünf Monate nach dem Militärputsch ab. Die Afrikanische Union pocht auf eine zivile Übergangsregierung und freie Wahlen.

Dem Militärputsch in Madagaskar gingen Proteste gegen die soziale Misere voraus.
Dem Militärputsch in Madagaskar gingen Proteste gegen die soziale Misere voraus.Rafalia Henitsoa/imago

Madagaskars Übergangspräsident Michael Randrianirina hat seine gesamte Regierung entlassen. Er habe am Montag sowohl den Premierminister als auch das gesamte Kabinett abgesetzt, teilte sein Sprecher laut der Nachrichtenagentur Reuters mit. Gründe für die Entlassung nannte er nicht. Über mögliche Nachfolger wurde zunächst nichts bekannt.

Madagaskar ist ein Inselstaat im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas und hat rund 32 Millionen Einwohner. Wirtschaftlich zählt das Land zu den ärmsten der Welt; hohe Armut, schwache Infrastruktur und Defizite in der Grundversorgung prägen die soziale Lage.

Randrianirina hatte am 14. Oktober 2025 durch einen Militärputsch die Macht in dem Inselstaat übernommen. Dem Umsturz waren von jungen Menschen angeführte Massenproteste gegen Armut, Korruption sowie Stromausfälle und prekäre Wasserversorgung vorausgegangen, in deren Folge der bisherige Präsident Andry Rajoelina abgesetzt wurde.

Bei seiner Vereidigung kündigte Oberst Randrianirina Reformen, die Bekämpfung der Korruption und eine bis zu zweijährige Übergangsphase vor Wahlen an. Wenige Tage nach der Machtübernahme wurde er am Obersten Verfassungsgericht als Präsident vereidigt.

AU suspendierte Madagaskar und drohte mit Sanktionen

Die Machtübernahme stieß international auf Kritik. Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AU) verurteilte den Putsch in einer Dringlichkeitssitzung am 15. Oktober 2025 und suspendierte Madagaskar von sämtlichen Aktivitäten der Union.

Die AU forderte die madagassischen Streitkräfte auf, sich an verfassungsmäßige Grundsätze zu halten und jede weitere Einmischung in politische Prozesse zu unterlassen. Andernfalls drohte der Rat laut offiziellem Kommuniqué mit gezielten Sanktionen gegen alle am Putsch beteiligten Akteure.

Darüber hinaus verlangte der Sicherheitsrat eine zügige Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung durch eine zivil geführte Übergangsregierung sowie die baldige Abhaltung freier, fairer und transparenter Wahlen.

Gleichzeitig rief der Rat alle externen Akteure dazu auf, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Der bisherigen Übergangsregierung gehörten zwar überwiegend Zivilisten an, die Macht lag jedoch weiter beim Militär.