Papst Leo XIV. ist am Montag zu einem Besuch in Algier eingetroffen. In einer Ansprache vor Vertretern des Staates, der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps verurteilte der Pontifex „neokoloniale Versuchungen“ und „fortwährende Verstöße gegen das Völkerrecht“. Das geht aus dem vom Vatikan veröffentlichten Text der Rede hervor, die Leo im Djamaa-El-Djazair-Konferenzzentrum in Algier hielt.
Konkrete Staaten nannte der Papst laut AP nicht. Er hat sich zuvor jedoch zum russischen Krieg gegen die Ukraine, zum Krieg gegen den Iran und zur israelischen Invasion im Südlibanon geäußert. Reuters berichtete, die Rede sei wenige Stunden nach Kritik von US-Präsident Donald Trump gehalten worden. Trump hatte Leo am Vorabend vorgeworfen, keinen guten Job zu machen, und ihn aufgefordert, nicht länger „der radikalen Linken“ zu dienen.
Leo entgegnete laut AP auf dem Flug nach Algier, die Friedensappelle des Vatikans seien im Evangelium verwurzelt. Er fürchte die Trump-Regierung nicht. Es ist der erste Besuch eines Oberhauptes der Römisch-Katholischen Kirche in dem nordafrikanischen Land.
Lob für algerische Gastfreundschaft
In seiner Rede lobte der erste US-amerikanische Papst die Solidarität und Gastfreundschaft des algerischen Volkes. Er rief die politisch Verantwortlichen dazu auf, eine „lebendige, dynamische und freie Zivilgesellschaft“ zu fördern. Politisches Handeln müsse sich an Gerechtigkeit messen lassen, ohne die es keinen wahren Frieden gebe, heißt es im Redetext.
Leo verwies auf die algerische Geschichte: Der Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich, der 1962 endete, habe dem Land einen eigenen kritischen Blick auf globale Machtstrukturen verschafft.
Am Märtyrermonument in Algier sagte Leo laut AP vor mehreren tausend Menschen: „Gott wünscht Frieden für jede Nation, einen Frieden, der nicht bloß die Abwesenheit von Konflikten ist, sondern Ausdruck von Gerechtigkeit und Würde.“
Persönliche Verbindung zu Augustinus
Leo gehört dem Augustinerorden an und bezeichnet sich seit seiner Wahl als „geistlicher Sohn des heiligen Augustinus“. Augustinus wurde im heutigen Algerien geboren und war drei Jahrzehnte lang Bischof im antiken Hippo, dem heutigen Annaba. Am Dienstag will der Papst laut Vatikanprogramm die dortige archäologische Stätte besuchen.
Algerien hat rund 47 Millionen überwiegend sunnitisch-muslimische Einwohner. Die katholische Gemeinde umfasst laut einer Statistik des Heiligen Stuhls etwa 9000 Gläubige, größtenteils Ausländer. Die USA haben Algerien laut AP auf eine Beobachtungsliste wegen schwerer Verletzungen der Religionsfreiheit gesetzt. Missionierung von Muslimen durch Nichtmuslime ist dort strafbar.
Nach dem Algerien-Aufenthalt führt die elftägige Reise Leo weiter nach Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.


