Einzelhandel

Textildiscounter baut ab: Kik schließt 135 Filialen in Deutschland

Insgesamt 300 Filialen will Kik 2026 europaweit schließen. Kündigungen plant das Unternehmen trotzdem nicht. Die Herausforderungen wachsen.

Eine Kik-Filiale in Berlin-Mitte. Welche Standorte das Unternehmen schließt, ist noch unklar.
Eine Kik-Filiale in Berlin-Mitte. Welche Standorte das Unternehmen schließt, ist noch unklar.Soeren Stache/dpa

Der Textil- und Haushaltswaren-Discounter Kik hat angekündigt, europaweit rund 300 Filialen zu schließen, davon 135 in Deutschland. Kündigungen soll es laut dem Geschäftsführer Christian Kümmel dennoch nicht geben.

Den Schließungen stehen lediglich 75 Neueröffnungen gegenüber, das Filialnetz schrumpft damit bis Ende 2026 auf gut 4.000 Standorte in Europa, in Deutschland auf rund 2.200. Kümmel sagte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass das Unternehmen in der Vergangenheit zu viele Geschäfte und diese in einigen Fällen mit zu wenig Abstand zu anderen Kik-Standorten eröffnet habe. Teilweise lägen Filialen weniger als einen Kilometer voneinander entfernt. „Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität“.

Bereits im Februar hatte Kik eine erste Welle von 50 Schließungen bestätigt und auf ein härter umkämpftes Marktumfeld, Kaufzurückhaltung und gestörte Lieferketten verwiesen. Branchenberichten zufolge standen europaweit bis zu 400 Standorte unter verschärfter Beobachtung. Am Kernkonzept als Textildiscounter wolle man festhalten, sagte Kümmel, sehe aber zunehmenden Wettbewerbsdruck – sowohl durch stationäre Konkurrenten wie Woolworth, NKD und Action als auch durch asiatische Onlineplattformen, die prominentesten sind Shein und Temu.

Probleme im Einzelhandel: Geschäfte haben zu kämpfen

Kiks Situation reiht sich in einen tiefgreifenden Strukturwandel im deutschen Einzelhandel ein. Nach einer Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) könnte die Zahl der stationären Geschäfte in diesem Jahr erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 rutschen – Ende 2015 existierten noch rund 372.000. Die Insolvenzen in der Branche haben laut dem Kreditversicherer Allianz Trade mit 2.571 Fällen den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht.

HDE-Präsident Alexander von Preen forderte kürzlich die Politik auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern, insbesondere bei Energie- und Beschäftigungskosten. Neben der wachsenden Konkurrenz durch den Onlinehandel hätten auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie viele Geschäfte dauerhaft geschwächt.

Trotz 300 Filialschließungen: Keine Kündigungen bei Kik?

Welche Filialen genau betroffen sind, teilte Kik bislang nicht mit, denn viele Angestellte seien noch nicht informiert worden. Kümmel versicherte, man werde die Mitarbeiter der betroffenen Standorte in anderen Geschäften weiterbeschäftigen oder „anderweitig Lösungen finden“.

Kik beschäftigt europaweit rund 32.000 Menschen, davon 19.000 in Deutschland. Konkrete Zahlen zu Versetzungen nannte das Unternehmen nicht. Aus Gewerkschafts- oder Betriebsratskreisen liegen bisher keine öffentlichen Einschätzungen zu den tatsächlichen Beschäftigungsperspektiven vor. Kümmel schloss zudem nicht aus, dass in den kommenden Jahren weitere Schließungen bevorstehen könnten.