Die Zahl der stationären Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland wird nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland (HDE) in diesem Jahr erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 sinken. In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Läden ihre Türen für immer geschlossen – ein Trend, der sich zuletzt deutlich beschleunigt hat.
HDE-Präsident Alexander von Preen warnte eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung. „So kann und darf es nicht weitergehen", sagte er. Von Preen forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen für den stationären Handel zu verbessern. Konkret verlangt der Verband eine Senkung der Kosten bei Energie und Beschäftigung, die viele Händler zunehmend belasten.
Verlust an Nahversorgung und Aufenthaltsqualität
Zwei Faktoren treiben den Rückgang besonders voran: Zum einen hat die Corona-Pandemie dem niedergelassenen Handel schwer zugesetzt. Während der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen brachen vielen Geschäften die Umsätze weg, zahlreiche Betriebe konnten sich von den Einbußen nicht mehr erholen. Zum anderen setzt der wachsende Onlinehandel die Branche unter Druck. Immer mehr Kunden kaufen im Internet ein, was den klassischen Ladengeschäften Umsatz entzieht.
Dass die Gesamtzahl der Geschäfte nun unter einen Wert fällt, der seit der deutschen Wiedervereinigung nie unterschritten wurde, verdeutlicht das Ausmaß des Strukturwandels im deutschen Einzelhandel. Für Innenstädte und ländliche Regionen bedeutet jede Schließung einen Verlust an Nahversorgung und Aufenthaltsqualität – mit weitreichenden Folgen für das gesellschaftliche Leben vor Ort.


