Israel

Kiew triumphiert im Streit um Getreideschiff: Israel verweigert Löschen der Ladung

Ein russischer Frachter mit mutmaßlich aus besetzten ukrainischen Gebieten stammendem Getreide darf in Israel nicht entladen. Zuvor hatten die Regierungen einen offenen Streit ausgetragen.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Entscheidung zum Getreidetanker als „willkommene Entwicklung“
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Entscheidung zum Getreidetanker als „willkommene Entwicklung“Danylo Antoniuk/Ukrinform/imago

Ein Frachter mit einer Getreideladung, die nach ukrainischen Angaben aus von Russland besetzten Gebieten stammt, darf seine Fracht nicht in Israel löschen. Das teilte der israelische Verband der Getreideimporteure laut einem Bericht der Jerusalem Post am Donnerstag mit. Der israelische Importeur Zenziper sei gezwungen worden, das Schiff abzuweisen. „Der russische Lieferant der Ladung wird ein alternatives Ziel finden müssen, um sie zu entladen“, hieß es demnach in der Erklärung.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Entscheidung auf X als „willkommene Entwicklung“. Dies richte ein Signal an Schiffe, Kapitäne, Betreiber, Versicherer und Regierungen: „Kauft kein gestohlenes ukrainisches Getreide.“

Im Zentrum des Streits steht der unter panamaischer Flagge fahrende Massengutfrachter „Panormitis“ mit nach Angaben des Kyiv Independent rund 6200 Tonnen Weizen und 19.000 Tonnen Gerste an Bord.

Generalstaatsanwaltschaft fordert Beschlagnahme

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hatte Israel am Mittwoch formell um die Beschlagnahme des Frachters ersucht. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko erklärte über Telegram, Israel solle Schiff und Ladung sicherstellen, Dokumente beschlagnahmen, Proben entnehmen und die Besatzung vernehmen, wie Reuters berichtete. Seit Beginn der russischen Invasion 2022 seien mehr als 1,7 Millionen Tonnen Agrarprodukte illegal aus besetzten Gebieten abtransportiert worden.

Ein Vertreter der griechischen Reederei Royal Maritime Inc., die den Frachter betreibt, wies derweil Vorwürfe gegenüber Reuters zurück, die Lieferung stamme aus besetzten ukrainischen Gebieten. Sämtliche Dokumente, einschließlich des Ursprungszeugnisses, wiesen die Fracht als russisch aus. Reuters konnte die ukrainischen Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Diplomatischer Schlagabtausch

Das ukrainische Außenministerium hatte Anfang der Woche den israelischen Botschafter Michael Brodsky einbestellt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Ankauf des mutmaßlich gestohlenen Getreides auf X als Hehlerei: „Das ist kein legitimes Geschäft – und kann es auch nicht sein.“ Er kündigte ein Sanktionspaket gegen am Transport Beteiligte und Profiteure an.

Der israelische Außenminister Gideon Saar reagierte zunächst zurückhaltend. Diplomatische Beziehungen würden „nicht auf Twitter oder in den Medien geführt“, schrieb er auf X. Die Ukraine habe keine Beweise vorgelegt.

Getreidelieferung wohl kein Einzelfall: EU drohte mit Sanktionen

Nach Angaben des Kyiv Independent ist der Fall kein Einzelfall. Bereits Anfang April habe der russische Frachter „Abinsk“ mit knapp 44.000 Tonnen ukrainischem Weizen in Haifa angedockt. Eine Recherche der israelischen Tageszeitung Haaretz ergab, dass in diesem Jahr mindestens vier Lieferungen mutmaßlich gestohlenen ukrainischen Getreides in Israel entladen worden seien.

Auch die Europäische Union schaltete sich ein. Ein EU-Sprecher erklärte gegenüber der Times of Israel, Brüssel drohe Beteiligten mit Sanktionen: „Wir verurteilen alle Handlungen, die zur Finanzierung von Russlands illegalem Krieg beitragen und EU-Sanktionen umgehen.“