Kernkraft

„Brauchen Jahrzehnte“: Lauterbach sieht Deutschland nicht in der Lage, AKWs zu bauen

Der ehemalige Gesundheitsminister stellt Deutschlands Fähigkeit zum Bau sicherer Atomkraftwerke infrage. Das sorgt für Kritik.

Karl Lauterbach zweifelt die Kompetenz Deutschlands beim Bau neuer Atomkraftwerke an.
Karl Lauterbach zweifelt die Kompetenz Deutschlands beim Bau neuer Atomkraftwerke an.IMAGO/Christoph Hardt

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat auf der Plattform X die Kompetenz Deutschlands beim Bau neuer Atomkraftwerke öffentlich angezweifelt. „Wir brauchen Jahrzehnte für Stuttgart 21 oder den BER. Wer glaubt denn wirklich, dass wir noch sichere Atomkraftwerke zu vertretbaren Kosten bauen könnten?", schrieb der SPD-Politiker.

Lauterbach zog damit eine direkte Linie zwischen den notorisch verzögerten und massiv verteuerten deutschen Großprojekten – dem Berliner Flughafen BER und dem Bahnprojekt Stuttgart 21 – und einem möglichen Neubau von Kernkraftwerken. Seine Aussage impliziert, dass die strukturellen Probleme bei Planung und Umsetzung großer Infrastrukturvorhaben in Deutschland einen wirtschaftlich und sicherheitstechnisch vertretbaren Atomkraftwerksbau praktisch ausschließen würden.

Debatte um mögliche Rückkehr zur Kernenergie

Die Äußerung fällt in eine Zeit, in der die Debatte um eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie in Deutschland wieder an Fahrt gewinnt. Mehrere Parteien und Wirtschaftsvertreter hatten zuletzt gefordert, den im April 2023 vollzogenen Atomausstieg zu überdenken – insbesondere mit Blick auf Energiesicherheit und Klimaziele.

Lauterbachs Argumentation stößt allerdings auf Widerspruch. Kritiker warfen dem Minister vor, mit seiner pauschalen Einschätzung ein problematisches Signal zu senden. „Dieses Land und seine Menschen können nichts" sei eine fragwürdige Kommunikationsstrategie, insbesondere in einem Jahr, in dem fünf Landtagswahlen anstehen, äußert sich beispielsweise der Politik- und Kommunikationsberater Robert Willacker auf X.