Die schwedische Regierung hat bei einem Pressetermin am Mittwoch ihre Vorstellungen für den Ausbau der Kernkraft vorgestellt. Energieministerin Ebba Busch von den Christdemokraten sagte laut der Tageszeitung Svenska Dagbladet: „Wir müssen wieder den Mut haben, groß zu bauen.“
Im Mittelpunkt steht vorerst kein neues Gesetz. Die Regierung will zunächst durch eine Kommission prüfen lassen, wie der Staat den Neubau von Kernkraftanlagen stärker unterstützen kann. Stockholm will dazu den rechtlichen Rahmen erweitern.
Es geht für die Regierung nicht nur um neue mögliche Standorte, sondern auch um eine aktivere Rolle des Staates bei Planung, Koordination und Förderung solcher Projekte.
Derzeit sind in Schweden sechs Kernreaktoren an den Standorten Forsmark, Ringhals und Oskarshamn in Betrieb. Sie liefern rund 30 Prozent des schwedischen Stroms und bleiben damit ein wichtiger Teil der Energieversorgung. Neue Reaktoren sind noch nicht am Netz, doch Regierung und Energiekonzerne treiben den Ausbau voran, unter anderem mit Plänen für zusätzliche Kapazitäten am Standort Ringhals.
Schwedendemokraten tragen den Kurs mit
Ulf Kristerssons konservative Minderheitsregierung aus Moderaten, Liberalen und Christdemokraten stützt sich im Reichstag auf die Schwedendemokraten. Die rechtsnationale Partei unterstützt den Kernkraft-Kurs klar.
In der Opposition ist das Bild gemischt. Die Sozialdemokraten lehnen neue Kernkraft nicht grundsätzlich ab, dringen aber auf eine breitere parteiübergreifende Einigung in der Energiepolitik. Auch die Zentrumspartei ist nicht prinzipiell gegen Kernkraft, knüpft ihre Zustimmung aber an enge Bedingungen. Die Vänsterpartiet und Miljöpartiet lehnen neue Atomkraftwerke dagegen klar ab und setzen stattdessen auf erneuerbare Energien.
In der schwedischen Bevölkerung überwiegt die Zustimmung zur Kernkraft: Nach einer Anfang Februar 2026 veröffentlichten Novus-Umfrage wollen 56 Prozent notfalls neue Kernkraftwerke bauen, 29 Prozent die bestehenden Reaktoren weiter nutzen, aber keine neuen errichten. Nur fünf Prozent plädieren für einen Ausstieg aus dieser Technologie.


