Norwegen

Sanitätsmaterial für die Ukraine: Justiz ermittelt in Norwegen

Ein Offizier und ein Firmenchef sollen bei einer Beschaffung von Unterstützung für die Ukraine im Millionenwert ihre Stellung missbraucht haben.

Wolodymyr Selenskyj und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre in Kyjiw
Wolodymyr Selenskyj und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre in KyjiwUkrinform/imago

Die norwegische Behörde für Wirtschaftskriminalität Økokrim ermittelt gegen zwei Personen, die bei der Beschaffung von Sanitätsmaterial für die Ukraine Straftaten begangen haben sollen, wie die Zeitung VG berichtet. Es handelt sich um einen Offizier sowie den Geschäftsführer eines Unternehmens, erklärte Polizeistaatsanwalt Johan Løken gegenüber VG.

Das Unternehmen hatte im Zusammenhang mit dem Nansen-Programm, über das Norwegen Unterstützung für die Ukraine bereitstellt, einen Auftrag erhalten. Der Offizier wird demnach des Missbrauchs öffentlicher Befugnisse beschuldigt, weil er trotz Befangenheit Einfluss auf den Beschaffungsprozess genommen haben soll. Er soll „Verbindungen zu dem beschafften Produkt und zu Personen in dem Unternehmen“ haben, erklärte Økokrim in einer Mitteilung.

„Wir sehen es als ernst an, wenn jemand seine Position in solchen Prozessen missbraucht oder Mittel verwendet, die von der Regierung bewilligt wurden“, sagte Løken laut VG.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

Dem Geschäftsführer wird in dem Fall wirtschaftliche Untreue vorgeworfen. Der Anwalt des Geschäftsführers sprach laut VG von „unzutreffenden“ Anschuldigungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Nansen-Programm oder den Streitkräften stehen würden. Beide Männer weisen die Vorwürfe laut VG zurück.

Die beiden Beschuldigten wurden laut Økokrim im Februar festgenommen und nach einer Vernehmung wieder freigelassen. Das norwegische Verteidigungsministerium hatte wegen des Unternehmens und der Auftragsvergabe Anzeige erstattet. Daraufhin leitete Økokrim die Ermittlungen ein. Der betroffene Vertrag hat laut Økokrim einen Wert von 30 bis 40 Millionen Kronen (rund 2,7 bis 3,6 Millionen Euro).