Zuwachs bei Militärausgaben

Norwegen kauft Artillerie für 2 Milliarden Dollar – Hanwha schlägt US-Konkurrenz

Norwegen investiert massiv in Verteidigung. Das Parlament bewilligte einen Artillerieplan über 2,5 Milliarden US-Dollar. Ein südkoreanischer Hersteller soll den Zuschlag erhalten.

Brigade Nord in Setermoen, Norwegen
Brigade Nord in Setermoen, NorwegenHeiko Junge/imago

Das norwegische Parlament hat einen umfangreichen Rüstungsplan zur Beschaffung von Langstreckenartillerie und U-Booten gebilligt. Die Investition in Höhe von rund 2,5 Milliarden US-Dollar soll die Abschreckungsfähigkeit des Nato-Landes gegenüber Russland in der Arktis verstärken, wo beide Staaten eine gemeinsame Grenze teilen.

Der konservative Verteidigungsexperte Peter Frølich und Mitglied des Außen- und Verteidigungsausschusses erklärte laut Reuters vor dem Parlament: „Das sind Waffen, die weit hinter feindliche Linien reichen können – das ist entscheidend in der modernen Kriegsführung.“

Die Entscheidung Norwegens fällt in eine Zeit, in der europäische Länder ihre Verteidigungsausgaben massiv erhöhen. Druck kommt dabei sowohl von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump als auch von der anhaltenden Bedrohung durch Russlands Krieg in der Ukraine. Norwegen reagiert auf diese Gefahren mit dem bislang größten Artillerieprogramm seiner Geschichte.

Südkoreas System setzt sich gegen US-Konkurrenz durch

Nach Informationen der norwegischen Tageszeitung Aftenposten hat die Regierung das Chunmoo-Artilleriesystem des südkoreanischen Rüstungskonzerns Hanwha Aerospace ausgewählt, wie das Online-Magazin Straitstimes berichtet. Damit unterlag das US-amerikanische HIMARS-System von Lockheed Martin im Wettbewerb. Das südkoreanische System erfülle alle von Norwegen gestellten Anforderungen, darunter eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern sowie die schnellste Lieferzeit unter den Bewerbern.

Das norwegische Verteidigungsministerium plant den Kauf von 16 Abschusssystemen sowie einer nicht näher bezifferten Anzahl von Raketen aus Südkorea. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 19,5 Milliarden norwegische Kronen.

Europäische Fertigung durch polnische Partner

Einige Parlamentsmitglieder hatten sich im Vorfeld für die Entwicklung einer europäischen Raketenalternative ausgesprochen. Regierungsvertreter wiesen diesen Vorschlag jedoch als zu zeitaufwendig und kostspielig zurück. Die Wahl fiel stattdessen auf eine bereits verfügbare Lösung mit europäischer Fertigungskomponente.

Hanwha Aerospace, Südkoreas einziger Hersteller von Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungstechnik, unterzeichnete bereits 2025 eine Vereinbarung mit dem polnischen Rüstungsunternehmen WB Electronics zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Dieses soll Raketen in Polen produzieren, darunter auch Munition für das Chunmoo-System. Damit ist die Fertigung auf europäischem Boden gesichert.