Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), rechnet für das kommende Jahr mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Im ARD-„Bericht aus Berlin“ sagte er: „Realistisch müssen wir schon im nächsten Jahr mit einer Beitragssatzerhöhung rechnen.“ Für die Folgejahre erwartet er ein Anhalten des Trends: „Im nächsten Jahr fehlen uns zehn Milliarden Euro.“
Grund dafür sind vor allem die stark steigenden Ausgaben der Kassen, die das Einnahmenwachstum deutlich übersteigen. Im ersten Halbjahr 2025 wuchsen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent. Besonders die Kosten für Krankenhausbehandlungen (+9,6 Prozent), Arzneimittel (+6,0 Prozent) und ambulante Behandlungen (+7,8 Prozent) treiben die Entwicklung. Auch die TK, mit über 12 Millionen Versicherten die größte deutsche Krankenkasse, kann sich diesem Kostendruck nicht entziehen.
Zunehmende Kritik an Gesundheitsministerin Nina Warken
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) steht deshalb zunehmend in der Kritik. Ihr Sparpaket in Höhe von zwei Milliarden Euro, das den Beitragsanstieg dämpfen sollte, scheiterte vorerst im Bundesrat. Baas hält Warkens Pläne für unrealistisch: „Was Frau Warken gesagt hat, wird nicht eintreten. Zum einen hat sie ihr eigenes Sparpaket nicht durchbekommen, zum anderen hat sie übersehen, dass bei uns Rücklagen anfallen müssen.“
Warken selbst sieht die Notwendigkeit für grundlegende Reformen. „Wir brauchen kurzfristige Maßnahmen und langfristig wirkende Strukturreformen“, sagte sie. Ohne diese drohten weitere Beitragserhöhungen. Eine Expertenkommission soll Vorschläge erarbeiten.
Drohen Beitragssätze von 20 Prozent des Lohns?
Besonders deutliche Worte findet der TK-Chef gegenüber der Bild am Sonntag. Die Beiträge näherten sich „deutlich den 20 Prozent“ des Einkommens – aus seiner Sicht eine Schmerzgrenze. „Wie viel will man denn noch bezahlen für seine Krankenkasse? Wollen Sie ein Viertel Ihres Einkommens für die Krankenkassen bezahlen? Das ist doch verrückt“, so Baas. Bis Ende des Jahrzehnts hält er Beiträge in dieser Höhe für möglich, sollte die Politik nicht gegensteuern.


