Energiekrise

Rekordwert: Iran stellt Welt auf Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel ein

Teheran droht mit einem schweren Schock für die Energiemärkte. Angriffe auf Handelsschiffe im Golf und die Blockade der Straße von Hormus schüren neue Sorgen über die globale Ölversorgung.

Preisschock an der Tankstelle: Der Diesel war diese Woche schon bei 2,24 Euro. Ein Ende ist offenbar noch lange nicht ins Sicht.
Preisschock an der Tankstelle: Der Diesel war diese Woche schon bei 2,24 Euro. Ein Ende ist offenbar noch lange nicht ins Sicht.Wolfgang Maria Weber/imago

Der Iran stellt die Welt auf einen möglichen Ölpreis von bis zu 200 US-Dollar pro Barrel ein. Ebrahim Zolfaqari, Sprecher des iranischen Militärkommandos Chatam Al-Anbija, machte die Angriffe der USA und Israels für die Instabilität in der Region verantwortlich. Der Preis für Rohöl hänge von der Sicherheit im Nahen Osten ab, erklärte er.

„Macht euch bereit für Ölpreise von 200 Dollar pro Barrel, denn der Ölpreis hängt von der Sicherheit in der Region ab – und ihr habt diese destabilisiert“, sagte Zolfaqari mit Blick auf die USA und Israel. Die Äußerung fiel vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe auf Handelsschiffe und einer faktischen Blockade der Straße von Hormus.

Ein Ölpreis von 200 US-Dollar pro Barrel wäre in nominaler Rechnung ein neues Rekordniveau. Der bisher meistzitierte Höchststand lag 2008 bei rund 147 Dollar pro Barrel.

Angriffe auf Handelsschiffe im Golf

Die Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus verschärft sich weiter. In der Golfregion sind am Mittwoch mehrere Handelsschiffe bei mutmaßlichen Angriffen beschädigt worden, wie die britische Marinebehörde United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) mitteilte. Demnach wurde ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter namens „Mayuree Naree“ etwa 20 Kilometer nördlich der omanischen Küste in der Meerenge von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen. Der Einschlag löste nach Angaben der Behörde einen Brand aus. Die Besatzung habe das Schiff verlassen müssen und einen Notruf abgesetzt. Nach Angaben der thailändischen Marine wurden mindestens 20 Crewmitglieder gerettet.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten später, ihre Einheiten hätten auf das Schiff geschossen. Der Frachter sei beschossen worden, nachdem er „Warnsignale und Aufforderungen“ ignoriert habe, hieß es in einer im staatlichen Rundfunk veröffentlichten Erklärung.

Wenige Stunden später meldete die britische Behörde einen weiteren Angriff. Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate sei ein Frachter ebenfalls von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der maritimen Sicherheitsfirma Vanguard um den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Massengutfrachter „Star Gwyneth“. Das Schiff meldete Schäden am Rumpf etwa 50 Seemeilen nordwestlich von Dubai. Die Besatzung blieb demnach unverletzt.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch war ein dritter Vorfall gemeldet worden. Ein unter japanischer Flagge fahrender Containerfrachter namens „One Majesty“ wurde etwa 46 Kilometer nordwestlich des Emirats Ras Al-Chaimah beschossen. Nach Angaben der Sicherheitsfirma entstand dabei ein rund zehn Zentimeter großes Loch im Rumpf. Das Schiff sei auf dem Weg in einen sicheren Hafen, hieß es.

Unabhängig überprüfbare Angaben zu den Urhebern der Angriffe gibt es bislang nicht.

Straße von Hormus zentral für den Weltölhandel

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für den globalen Energiehandel. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und Oman werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert.

Seit Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran ist der Schiffsverkehr dort stark eingeschränkt. Angriffe auf Handelsschiffe und die Gefahr von Minen haben den Transit erheblich erschwert.

Die Eskalation wirkt sich bereits auf die Energiemärkte aus. Die Ölpreise waren zu Wochenbeginn zeitweise auf fast 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen, bevor sie sich wieder etwas beruhigten. Am Mittwoch legten sie erneut zu, nachdem die Angriffe auf Schiffe im Golf gemeldet worden waren.

IEA empfiehlt Freigabe strategischer Ölreserven

Angesichts der Turbulenzen empfahl die Internationale Energie-Agentur (IEA) die Freigabe strategischer Ölreserven. Insgesamt könnten bis zu 400 Millionen Barrel aus globalen Notfallreserven auf den Markt gebracht werden – die größte koordinierte Intervention dieser Art in der Geschichte der Organisation.

Die Maßnahme soll helfen, einen der schwersten Energieschocks seit den Ölkrisen der 1970er Jahre abzufedern. Allerdings würde selbst eine solche Freigabe nur einen Teil der Mengen ersetzen, die normalerweise durch die Straße von Hormus transportiert werden.