Die Vereinigten Staaten verlegen nach Medienberichten zusätzliche Marines und Kriegsschiffe in den Nahen Osten. Wie die New York Times unter Berufung auf zwei US-Beamte berichtet, sind rund 2500 Marineinfanteristen an Bord von bis zu drei Kriegsschiffen aus dem Indopazifik auf dem Weg in die Region.
Die Verstärkung soll demnach zu mehr als 50.000 amerikanischen Soldaten stoßen, die bereits im Nahen Osten stationiert sind. Wie genau die neuen Kräfte eingesetzt werden sollen, sei bislang unklar.
Auch andere Berichte deuten auf eine militärische Verstärkung hin. Das Nachrichtenportal Axios meldete unter Berufung auf einen ranghohen US-Beamten, das Pentagon entsende zusätzlich Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Tausende weitere Soldaten in die Region. Demnach könnten Marineinfanteristen im Fall einer weiteren Eskalation auch für mögliche Bodeneinsätze bereitstehen.
Hintergrund ist die wachsende Eskalation im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran. Nach Angaben amerikanischer Beamter reagiert der Iran widerstandsfähiger auf die seit fast zwei Wochen andauernden Luftangriffe und Artillerieschläge als von der Regierung von Präsident Donald Trump erwartet.
Iran weitet Angriffe in der Straße von Hormus aus
Gleichzeitig hat der Iran seine Angriffe rund um die Straße von Hormus ausgeweitet. Die strategisch wichtige Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und gilt als einer der wichtigsten Engpässe des globalen Energiemarktes. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls wird durch diese Passage transportiert. Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen Ende Februar meiden zahlreiche Tanker aus Sicherheitsgründen die Route. Handelsschiffe werden zunehmend Ziele von Angriffen. Das hat zu starken Turbulenzen an den Energiemärkten und zu steigenden Treibstoffpreisen in den Vereinigten Staaten beigetragen.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits angekündigt, Kriegsschiffe der US-Marine könnten Handelsschiffe durch die Meerenge eskortieren. Eine ähnliche Operation hatte es zuletzt in den späten 1980er Jahren während der Spannungen zwischen den USA und dem Iran gegeben. US-Energieminister Chris Wright sagte am Donnerstag dem Sender CNBC, die US-Marine sei derzeit noch nicht in der Lage, Öltanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. „Es wird relativ bald passieren, aber im Moment geht es nicht. Wir sind schlicht nicht bereit“, erklärte er. Trump hatte Anfang des Monats angekündigt, die Marine werde „so bald wie möglich“ mit der Begleitung von Tankern beginnen.
Die Straße von Hormus gilt seit Beginn des Konflikts als zentraler Hebel des Iran. Teheran hat wiederholt versucht, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören und nach Angaben aus der Region auch Handelsschiffe angegriffen. Der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, sprach sich in seiner ersten Botschaft dafür aus, die Straße von Hormus geschlossen zu halten und als Druckmittel im Krieg gegen die USA und Israel zu nutzen.
In der Öffentlichkeit gezeigt hat sich der Sohn des getöteten Vorgängers Ali Chamenei bislang nicht. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, die USA gingen davon aus, dass Chamenei „verwundet und wahrscheinlich entstellt“ sei. Auch Trump erklärte dem Sender Fox News, Chamenei sei verletzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Donnerstag, Chamenei könne „sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zeigen“.



