Der Krieg gegen den Iran hat laut einem Bericht der Financial Times die amerikanischen Waffenbestände deutlich schneller schrumpfen lassen als erwartet. Seit Beginn der militärischen Operation habe das US-Militär „Jahre“ an wichtigen Munitionsreserven verbraucht, berichtete die Zeitung unter Berufung auf drei mit der Lage vertraute Personen.
Besonders betroffen seien hochentwickelte Marschflugkörper vom Typ Tomahawk. Ein mit den Einsätzen vertrauter Insider sprach laut Financial Times von einem „massiven Verbrauch“ der Raketen. „Die Marine wird diesen Einsatz noch mehrere Jahre spüren“, sagte die Quelle demnach.
Milliardenkosten und politische Debatte
Der hohe Munitionsverbrauch erhöht den politischen Druck auf US-Präsident Donald Trump. Der Konflikt mit dem Iran hat zentrale Schifffahrtsrouten im Nahen Osten beeinträchtigt und den Ölpreis über 100 US-Dollar pro Barrel steigen lassen. In einem Jahr mit Kongress-Zwischenwahlen wächst zudem die Kritik im Inland. Viele Amerikaner sehen sich steigenden Benzinpreisen gegenüber. US-Medien zufolge wächst die Sorge, dass die Vereinigten Staaten erneut in einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten geraten könnten.
Das Pentagon bereitet nach Informationen der Financial Times derzeit einen Antrag auf zusätzliche Militärmittel vor. In den kommenden Tagen könnte das Verteidigungsministerium dem Weißen Haus und dem Kongress eine Nachfinanzierung von bis zu 50 Milliarden US-Dollar vorlegen.
Streit im Kongress erwartet
Ein solcher Antrag dürfte eine heftige politische Debatte im US-Kongress auslösen. Republikaner verfügen im Repräsentantenhaus nur über eine knappe Mehrheit. Haushaltskonservative könnten sich gegen neue milliardenschwere Ausgaben stellen. Auch Demokraten äußern Vorbehalte. Einige Abgeordnete kritisieren den Krieg gegen den Iran als rechtlich fragwürdig, weil Trump den Kongress nicht vor Beginn der Militäraktionen um Zustimmung gebeten habe.
Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski, Mitglied im Haushaltsausschuss des Senats, warnte, der Kongress werde keine „Blankovollmacht“ ausstellen. Das Pentagon müsse die Ausgaben detailliert begründen. Der frühere republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, rief dagegen dazu auf, die Finanzierung zu unterstützen. Selbst Abgeordnete, die den Militäreinsatz kritisch sähen, sollten den zusätzlichen Verteidigungshaushalt bewilligen, argumentierte er. Dies sei eine „überfällige Gelegenheit“, in strategische Verteidigungsfähigkeiten zu investieren.

Iran-Krieg kostet die USA Milliarden
Pentagonvertreter erklärten in dieser Woche vor Senatoren, dass der Krieg gegen den Iran allein in den ersten sechs Tagen mehr als elf Milliarden US-Dollar gekostet habe. Ein Großteil der Summe entfalle auf Munition. Der demokratische Senator und frühere Luftwaffenpilot Mark Kelly sagte dem Sender MS Now, viele der eingesetzten Systeme seien extrem teuer. Eine einzelne Abfangrakete des Patriot- oder Thaad-Systems koste mehrere Millionen Dollar.
Demgegenüber setze der Iran nach US-Geheimdienstangaben häufig vergleichsweise günstige Drohnen ein. Diese könnten für rund 30.000 Dollar produziert werden. „Die Rechnung geht so nicht auf“, sagte Kelly.
Allein in den ersten 48 Stunden des Krieges verschoss das US-Militär Munition im Wert von rund 5,6 Milliarden US-Dollar, wie die Washington Post berichtete. Experten warnen demnach, dass die amerikanischen Lagerbestände derzeit schneller schrumpfen, als die Rüstungsindustrie sie ersetzen kann. Die tatsächlichen Kosten des Konflikts dürften zudem noch deutlich höher liegen, da neben Munition auch Ausgaben für Wartung von Gerät, Wiederbeschaffung von Waffen und die langfristige medizinische Versorgung von Veteranen hinzukommen, sagte die Politikwissenschaftlerin Neta Crawford von der Brown University der Washington Post.
Trotz der kurzen Dauer des Krieges erreichen die Ausgaben bereits Rekordwerte: Auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges lagen die täglichen Kosten bei etwa 300 bis 400 Millionen US-Dollar. Die Regierung um Trump gibt derzeit nach Berechnungen Crawfords etwa das Fünf- bis Sechsfache pro Tag aus.
Sorgen um US-amerikanische Waffenbestände
US-Beamte warnen seit Jahren, dass der Einsatz moderner Munition schneller steigen könnte als ihre Produktion. Das könnte die Einsatzbereitschaft der amerikanischen Streitkräfte beeinträchtigen, insbesondere im Falle eines größeren Konflikts mit Staaten wie Russland oder China.
Die republikanische Senatorin Murkowski erinnerte daran, dass Washington europäischen Partnern und der Ukraine wiederholt erklärt habe, man könne nicht mehr Waffen liefern, weil die eigenen Bestände begrenzt seien. Auch andere Abgeordnete äußerten dem Bericht der Financial Times zufolge Sorgen über die Geschwindigkeit, mit der im Iran-Krieg Munition verbraucht wird.
Teure und schwer ersetzbare Raketen
Tomahawk-Marschflugkörper gehören zu den wichtigsten Präzisionswaffen der US-Streitkräfte. Die Raketen haben eine Reichweite von rund 1600 Kilometern und tragen einen Gefechtskopf von etwa 450 Kilogramm. Hersteller ist der amerikanische Rüstungskonzern RTX. Eine einzelne Rakete kostet etwa 3,6 Millionen US-Dollar.
In den vergangenen fünf Jahren kaufte das US-Militär lediglich 322 Tomahawks. Für das Haushaltsjahr 2026 sind laut Financial Times 57 weitere Raketen im Wert von rund 206 Millionen Dollar vorgesehen.
Gleichzeitig wurden bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Tomahawks eingesetzt – unter anderem gegen Huthi-Milizen im Jemen sowie gegen iranische Ziele. Nach Schätzungen des Center for Strategic and International Studies feuerte das US-Militär allein in den ersten 100 Stunden des aktuellen Krieges 168 solcher Raketen ab.
Ein US-Abgeordneter sagte der Zeitung, es werde „Jahre dauern“, die verbrauchten Bestände an Tomahawks, Patriot-Raketen und Thaad-Abfangsystemen wieder vollständig zu ersetzen.




