Pentagon

Iran-Krieg: USA entern sanktionierten Öltanker im Indischen Ozean

In der Bucht von Bengalen zwischen Indien und Südostasien hat das US-Militär laut Pentagon einen Öltanker festgesetzt. Dieser soll Verbindungen zum Iran haben.

Pentagon-Chef Pete Hegseth: Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben einen Tanker geentert.
Pentagon-Chef Pete Hegseth: Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben einen Tanker geentert.Saul Loeb/AFP

US-Streitkräfte haben nach Angaben des Pentagons den Öltanker M/T Tifani geentert, der zuvor wegen Schmuggels iranischen Rohöls mit Sanktionen belegt worden war. Die Aktion sei „ohne Zwischenfälle“ verlaufen, teilte das US-Verteidigungsministerium am Dienstag auf der Plattform X mit.

Laut einem anonymen US-Verteidigungsbeamten, den die Nachrichtenagentur AP zitiert, wurde das unter botswanischer Flagge fahrende Schiff in der Bucht von Bengalen zwischen Indien und Südostasien aufgebracht. Innerhalb der nächsten vier Tage werde das Militär entscheiden, ob der Tanker in die USA geschleppt oder einem anderen Land übergeben werde.

Das Pentagon bezeichnete die Tifani trotz ihrer Flagge als „staatenlos“ und kündigte an, weltweit „illegale Netzwerke zu zerschlagen und sanktionierte Schiffe abzufangen, die dem Iran materielle Unterstützung leisten“. Internationale Gewässer seien „kein Zufluchtsort für sanktionierte Schiffe“, so die Mitteilung.

Es handelt sich laut AP um das zweite mit Iran verbundene Schiff, das von der US-Marine aufgebracht wurde. Bereits am Sonntag hatte die US-Marine nach eigenen Angaben einen iranisch geflaggten Frachter angegriffen und beschlagnahmt, der versucht haben soll, die US-Blockade iranischer Häfen zu umgehen. Präsident Donald Trump erklärte laut AP, ein US-Zerstörer habe ein Loch in den Maschinenraum des Schiffes geschossen.

Iran: Akt der Piraterie und Verstoß gegen Waffenstillstand

General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, erklärte vergangene Woche laut AP, die Maßnahmen würden über iranische Gewässer und das US-Zentralkommando hinausgehen. US-Streitkräfte würden „aktiv jedes iranisch geflaggte Schiff oder jedes Schiff verfolgen, das versucht, dem Iran materielle Unterstützung zu leisten“.

Die Aktionen werfen Fragen über den seit zwei Wochen bestehenden Waffenstillstand zwischen den USA und Iran auf. Jason Chuah, Juraprofessor an der City University of London, sagte gegenüber AP, die Lage befinde sich in einem „unklaren Raum, in dem das Recht keine eindeutige Antwort gibt“.

Die USA verträten die Auffassung, dass der bewaffnete Konflikt nie vollständig geendet habe und sie daher weiterhin die Blockade durchsetzen dürften. Iran hingegen betrachte den Waffenstillstand als Pause sämtlicher feindlicher Handlungen. Das iranische Militärkommando bezeichnete die Enterung laut AP als Akt der Piraterie und Verstoß gegen den Waffenstillstand.

Mark Cancian, pensionierter Marine-Oberst beim Center for Strategic and International Studies, betonte gegenüber AP, es gebe keine schriftliche Waffenstillstandsvereinbarung. Michael O'Hanlon von der Denkfabrik Brookings Institution argumentierte hingegen, die USA hätten den Waffenstillstand nicht gebrochen, da dieser sich nur auf Bombardierungen, nicht auf die Blockade bezogen habe. Pakistan versucht laut AP derzeit, erneute Gespräche zwischen Washington und Teheran zu vermitteln.