Flüge werden umgeleitet, Drehkreuze sind eingeschränkt erreichbar, Tickets werden teurer. Der Krieg im Nahen Osten trifft den Urlaub der Deutschen direkt – und zwingt viele, ihre Pläne zu überdenken.
Besonders betroffen sind Verbindungen über die Golfregion. Das Auswärtige Amt verweist auf gesperrte Lufträume und eingeschränkten Flugverkehr über zentrale Umsteigeflughäfen wie Dubai oder Doha. Für viele Reisende bedeutet das längere Flugzeiten, unsichere Verbindungen oder die Notwendigkeit, ganz neue Routen zu wählen.
Reiseveranstalter reagieren bereits. Flüge werden umgebucht oder gestrichen, für einzelne Ziele gelten flexible Storno- und Umbuchungsregeln. „Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen führen zu einer spürbaren Buchungszurückhaltung, ohne die Nachfrage grundsätzlich zu schwächen“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, der Deutschen Presse-Agentur.
Ein Teil der deutschen Urlauber plant um
Die Veränderungen zeigen sich auch in Umfragen. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands hat etwa jeder sechste Urlauber mit Reiseplänen für die kommenden Monate seine Reise wegen der globalen politischen Lage angepasst. In einer Umfrage des Online-Brokers XTB und des Marktforschungsunternehmens TGM gab rund jeder vierte Befragte an, dass der Iran-Krieg Einfluss auf die Urlaubsplanung habe. Zehn Prozent haben ihre Reise bereits geändert, weitere zehn Prozent denken darüber nach, vier Prozent haben sie abgesagt.
Gleichzeitig bleibt die Mehrheit gelassen. In einer YouGov-Umfrage gaben 54 Prozent an, internationale Krisen hätten derzeit keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung.
Reiseziele verschieben sich
Viele Reisende weichen auf alternative Ziele aus. Besonders gefragt sind derzeit Regionen, die weiter von der Krisenregion entfernt liegen – etwa Spanien, Italien oder die Kanaren, wie der Reisekonzern Tui mitteilte. Auch ausgewählte Fernziele wie die Karibik bleiben gefragt, sofern sie ohne problematische Umstiege erreichbar sind.
Dagegen entwickeln sich Ziele im östlichen Mittelmeer, am Golf oder in Teilen Asiens schwächer, wie der Deutsche Reiseverband erklärte. Ein Grund sind eingeschränkte oder unsichere Umsteigeverbindungen über die Golfstaaten, die für viele Fernreisen zentral sind. Selbst wer nicht in die Region reisen wollte, ist indirekt betroffen.
Preise steigen, Branche unter Druck
Die geopolitische Lage wirkt sich vor allem auch auf die Kosten aus. Der Deutsche Reiseverband geht davon aus, dass steigende Kerosinpreise auch mittelfristig zu höheren Flugpreisen führen könnten. Airlines haben bereits reagiert, einige Fluglinien wurden gestrichen, weitere Anpassungen sind möglich.
Der europäische Flughafenverband ACI Europe warnte die EU-Kommission vor einem drohenden systemischen Kerosinmangel. Sollte die Straße von Hormus nicht innerhalb der nächsten drei Wochen wieder in nennenswertem Umfang für den Schiffsverkehr geöffnet werden, werde eine flächendeckende Versorgungskrise bei Flugzeugtreibstoff in der EU zur Realität, berichtete die Financial Times.
Auch die Stimmung in der Branche kippt. Nach Angaben des Ifo-Instituts fiel das Geschäftsklima bei Reisebüros und Veranstaltern im März auf minus 41,7 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im Februar. Die Unternehmen bewerten ihre Lage und die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich schlechter.
Trotzdem bleibt die Nachfrage insgesamt stabil. Anbieter berichten von einem erhöhten Beratungsbedarf, während die Buchungszahlen in Teilen weiterhin über dem Vorjahresniveau liegen.
Deutschland rückt in den Fokus – aber nur teilweise
Auch Deutschland wird für viele Reisende wieder attraktiver. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands planen 41 Prozent der Menschen, die in den kommenden Monaten verreisen wollen, mindestens eine Inlandsreise, 15 Prozent sogar mehrere.
Ein klarer Beleg dafür, dass der Iran-Konflikt einen massenhaften Trend zum Urlaub im eigenen Land auslöst, ist das jedoch nicht. Der Wert beschreibt allgemeine Reisepläne – nicht ausschließlich eine Verlagerung wegen der aktuellen Krise. Branchenvertreter gehen vielmehr von einem vorübergehenden Effekt aus. Viele Reisende halten sich mit Buchungen zurück oder entscheiden sich kurzfristiger. Sollte sich die Lage entspannen, dürfte die Nachfrage wieder anziehen.
Am Ende zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Lust aufs Reisen bleibt hoch. Doch wohin es geht, entscheiden derzeit stärker denn je Sicherheit, Preis und Erreichbarkeit.



