Lebensgrundlage

Iran-Krieg bringt neun Millionen Inder in Gefahr

Raketenalarm, wirtschaftliche Unsicherheit und mögliche Evakuierungen: Die Folgen des Krieges gegen den Iran treffen Millionen Arbeitsmigranten aus Indien in den Golfstaaten.

Indische Passagiere werden nach einem Flug über Dubai am Flughafen in Neu-Delhi von ihren Familien empfangen.
Indische Passagiere werden nach einem Flug über Dubai am Flughafen in Neu-Delhi von ihren Familien empfangen.Ani/imago

Der Krieg gegen den Iran bringt die Lebensgrundlage von rund neun Millionen indischen Arbeitsmigranten in den Golfstaaten in Gefahr - und damit auch die ihrer Familien in Indien. Viele von ihnen arbeiten in Städten wie Dubai, Abu Dhabi, Doha oder Manama - Regionen, die bislang als relativ sicher galten, nun aber zunehmend in den Konflikt hineingezogen werden.

Der in Dubai lebende indische Politikanalyst Yashwant Deshmukh beschrieb gegenüber der South China Morning Post den neuen Alltag in der Region. Wenn auf seinem Handy ein Raketenalarm eingehe, gehe er vom Fenster weg und warte auf die nächste Meldung, dass die Rakete abgefangen wurde. „Es ist inzwischen zu einer Routine geworden“, sagte er.

Inder stellen die größte Gruppe ausländischer Arbeitskräfte in den Golfstaaten. Allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben mehr als drei Millionen indische Staatsbürger. Insgesamt arbeiten in den Ländern des Golfkooperationsrates rund neun Millionen Inder, wie Daten der indischen Regierung zeigen. Viele dieser Jobs gelten als besonders anfällig für Krisen. Schon einzelne Raketenalarme, Flugausfälle oder Sicherheitsmaßnahmen können Baustellen stilllegen, Lieferketten unterbrechen oder den Tourismus einbrechen lassen.

Überweisungen aus dem Golf sind lebenswichtig für Indien

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Arbeitsmigration reicht weit über den Nahen Osten hinaus. Indien erhält mehr Rücküberweisungen aus dem Ausland als jedes andere Land der Welt. Ein großer Teil davon stammt aus den Golfstaaten, wie Daten der Weltbank zeigen. Ein längerer Konflikt könnte daher nicht nur die Sicherheit der Migranten gefährden, sondern auch wirtschaftliche Folgen für Indien haben.

Analysten warnen zudem vor einer möglichen Ausweitung der Kämpfe im gesamten Golf. Sollte der Iran militärische Ziele oder Energieanlagen in der Region angreifen oder den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiter stören, könnten auch wichtige Wirtschafts- und Expat-Zentren betroffen sein.

Regierungen in Südasien beobachten die Lage deshalb genau. Mehrere Länder prüfen nach Medienberichten Evakuierungspläne für ihre Staatsbürger, falls sich der Konflikt weiter ausbreitet. Für viele indische Arbeiter im Golf bleibt die Situation dennoch ein riskanter Balanceakt: Sie sind auf ihre Jobs angewiesen, während ihre Familien zu Hause auf das Geld aus dem Ausland angewiesen sind.