Proteste im Iran

Landesweiter „Internet-Blackout“ im Iran:  Massendemonstration in Teheran

Zahlreiche Menschen strömen in der Nacht zu den offenbar größten Massenprotesten seit Beginn der jüngsten Demonstrationswelle. Gleichzeitig fällt das Internet aus.

Protestierende blockieren eine Straße in Kermanshah, Iran.
Protestierende blockieren eine Straße in Kermanshah, Iran.Kamran/imago

Im Iran ist es am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag gleichzeitig mit Massenprotesten gegen das Regime offenbar zu einem landesweiten Internetausfall gekommen. Laut der Internetüberwachungsgruppe NetBlocks folgte der Blackout auf „eine Reihe eskalierender digitaler Zensurmaßnahmen gegen Proteste im ganzen Land“. NetBlocks warf den iranischen Behörden vor, das Recht der Öffentlichkeit auf Kommunikation „in einem entscheidenden Moment“ zu behindern. Am Morgen meldete das Portal, dass der „nationale Internet-Blackout“ inzwischen zwölf Stunden andauere.

Auch das IT-Unternehmen Cloudfare teilte am Donnerstagabend mit, dass der Webtraffic um etwa 90 Prozent eingebrochen sei. Der Exilsender Iran International berichtete, in mehreren Gebieten sei es zudem zu Ausfällen der Telefonleitungen gekommen.

In der Hauptstadt Teheran strömten derweil am Abend zahlreiche Menschen auf den weitläufigen Ajatollah-Kaschani-Boulevard, wie auf von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Auf weiteren Bildern war eine protestierende Menschenmenge in der westiranischen Großstadt Abadan zu sehen. Es soll sich dabei um die größten Demonstrationen seit Beginn der jüngsten Protestwelle handeln.

Die Demonstrationen haben sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen auf alle 31 Provinzen Irans ausgeweitet, bislang jedoch nicht das Ausmaß der Unruhen von 2022–2023 erreicht, die durch den Tod von Mahsa Amini ausgelöst wurden, nachdem ihr vorgeworfen worden war, gegen die islamischen Kleidervorschriften verstoßen zu haben.

Seit Tagen Proteste im Iran

Seit Ende Dezember kam es im Iran wiederholt zu Protesten. Auslöser waren unter anderem die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage. Nach Angaben der in Norwegen ansässigen Nichtregierungsorganisation Iran Human Rights starben bei den Demonstrationen mindestens 45 Menschen und mehr als 2000 wurden verhaftet.

Reza Pahlavi, der in der iranischen Exil-Opposition aktive Sohn des 1979 gestürzten persischen Schah Mohammed Reza Pahlavi, hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass die Regierung versuche, das Internet abzuschalten. „Sollte das Regime jedoch einen solchen Fehler begehen und das Internet abschalten, wäre dies ein weiterer Aufruf, weiterhin präsent zu sein und die Straßen zu erobern“, erklärte er auf X.

Trump warnt vor Tötung von Demonstranten

US-Präsident Donald Trump warnte die Führung in Teheran erneut vor der Tötung von Demonstranten. „Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun“, sagte er in einer Folge des Podcasts The Hugh Hewitt Show, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

US-Finanzminister Scott Bessent erklärte einem Reuters-Bericht zufolge vor dem Economic Club of Minnesota, die iranische Wirtschaft stehe auch wegen Sanktionen „kurz vor dem Zusammenbruch“. „Es ist eine sehr heikle Situation. Er will nicht, dass noch mehr Demonstranten verletzt werden. Es ist eine angespannte Lage“, fügte er mit Blick auf Trump hinzu.

Trump hatte am Sonntag gesagt, die USA würden die Lage im Iran „sehr genau“ beobachten. „Sollten sie wieder anfangen, Menschen zu töten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, werden sie meiner Meinung nach von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen werden“, so Trump.