Elite-Universität

Harvard-Studierende protestieren gegen geplante Bestnoten-Obergrenze

60 Prozent aller Noten an der Harvard Universität sind Bestnoten. Am Dienstag wird deshalb über eine Vergabebegrenzung abgestimmt – die Studierenden laufen Sturm.

Menschen gehen an der John-Harvard-Statue vor der University Hall im Harvard Yard vorbei.
Menschen gehen an der John-Harvard-Statue vor der University Hall im Harvard Yard vorbei.M. Scott Brauer/imago

An der Harvard-Universität wehren sich Studierende gegen eine geplante Obergrenze bei der Anzahl der Bestnoten. Die Faculty of Arts and Sciences soll an diesem Dienstag darüber abstimmen, ob die Bestnote „A“ künftig auf rund 20 Prozent der Studierenden pro Kurs begrenzt wird, zuzüglich vier weiterer A-Noten als Puffer für kleinere Kurse.

Rund 94 Prozent der befragten Studierenden lehnen den Vorschlag ab, wie eine Umfrage der studentischen Selbstverwaltung mit über 800 Teilnehmenden ergab, berichtet das Wall Street Journal. In sozialen Medien kursieren Memes, die den verantwortlichen Dekan als autoritäre Filmfiguren wie Dolores Umbridge aus „Harry Potter“ darstellen.

Die Redaktion der Studierendenzeitung Harvard Crimson bezeichnete die geplante Obergrenze als „grobe“ Quote, die das eigentliche Problem verfehle. „Statt die Noteninflation zu bekämpfen, sollte die Strenge im Unterricht wiederhergestellt werden“, schrieb das Blatt in einem Editorial. Studierende befürchten laut Wall Street Journal, dass die Reform den Konkurrenzdruck verschärfe und davon abhalte, anspruchsvolle Kurse zu belegen. Studentin Kay Hwang sagte dem Journal, die Regelung mache das Studium „viel berechnender“. Der studentische Vertreter Hyunsoo Lee betonte laut Wall Street Journal, der Protest richte sich nicht einfach dagegen, schlechtere Noten zu bekommen – es gehe um die grundsätzliche Ausrichtung der Lehre.

Zu viele Bestnoten in den letzten zwei Jahren

Hintergrund ist eine drastische Noteninflation: Laut einem internen Bericht machten Bestnoten im Jahr 2024/25 rund 60 Prozent aller Noten aus – gegenüber 25 Prozent im Jahr 2005/06, so das Wall Street Journal. Der Reformvorschlag sieht außerdem vor, den klassischen Notendurchschnitt intern durch ein Perzentilsystem zu ersetzen, berichtet der Guardian. Bei Annahme würde die Regelung ab Herbst 2027 verpflichtend gelten.

Dekanin Amanda Claybaugh verteidigte den Vorschlag laut Wall Street Journal: Harvard müsse den Wert seiner Abschlüsse schützen. Dekan David Deming räumte laut Harvard Crimson ein, die Reform sei möglicherweise nicht die ideale Lösung, aber besser als Nichtstun. Er betonte, viele Studierende unterstützten den Vorschlag im privaten Gespräch – die Kritiker seien lediglich lauter als die Befürworter.

Die Studierenden verweisen laut Guardian auf das Beispiel Princeton: Die Universität führte 2004 eine ähnliche Obergrenze ein, schaffte sie aber 2014 wieder ab, weil sie den Stress erheblich verstärkt hatte.