Unternehmen in der Krise

Fast Hälfte der Stellen im Management gestrichen: So baut die neue Bahn-Chefin den Konzern um

Bahn-Chefin Evelyn Palla will den kriselnden Konzern umbauen und Führungsstrukturen verkleinern. Auch für Fahrgäste soll es besser werden.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, will den Konzern grundlegend verändern.
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, will den Konzern grundlegend verändern.Christoph Soeder/dpa Pool

Die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, hat erste Schritte für den von ihr geplanten Konzernumbau angekündigt. Bei ihrem Amtsantritt hatte Palla angekündigt, sie wolle den Konzern „auf links drehen“. Jetzt sind erste Details dazu bekannt.

Zum neuen Jahr werde der Konzernvorstand verkleinert und das darunter liegende Top-Management nahezu halbiert, sagte Palla am Donnerstag in Berlin.

Ziel sei es, dass die Entscheidungen künftig wieder dort getroffen werden, „wo die Eisenbahn stattfindet“. Bei spürbaren Verbesserungen bei der Pünktlichkeit bat sie jedoch um Geduld.

Der Konzernvorstand soll künftig nur noch sechs Vorstandsressorts haben. Dort fallen die Posten für Technik und Digitalisierung sowie Infrastruktur weg. Bei den Konzerntöchtern DB Regio und DB Fernverkehr wird jeweils der Posten des Marketing-Vorstands gestrichen, auch die Infrastrukturtochter InfraGO hat künftig zwei Vorstände weniger. In der Holding sollen laut Palla insgesamt rund 30 Prozent der Stellen wegfallen.

Auf den Ebenen unterhalb des Konzernvorstands streicht die Bahn nach eigenen Angaben „eine komplette Zwischenebene zwischen Vorstand und erster Führungsebene“. Die erste Führungsebene werde von heute 43 auf künftig 22 Organisationseinheiten reduziert - und damit die Anzahl der Führungskräfte „deutlich“ verringert.

Die Deutsche Bahn besteht aus dem Bahn-Konzern, dem dutzende Tochterunternehmen untergeordnet sind. Der neuen Chefin zufolge soll der übergeordnete Konzern deutlich verkleinert werden.

Die DB steckt tief in der Krise. Große Teile der Infrastruktur sind marode und störanfällig, die Pünktlichkeitswerte insbesondere im Fernverkehr, aber zunehmend auch im Regionalverkehr leiden darunter. Palla, die seit Anfang Oktober an der DB-Spitze steht, verwies auf jahrelang unterbliebene Investitionen, die sich nun rächten. Diese Verfehlungen könne sie nicht „von heut auf morgen“ korrigieren. Deshalb werde sich die Pünktlichkeit voraussichtlich auch im kommenden Jahr nicht verbessern.

Es gehe zunächst darum, „den fallenden Trend zu stabilisieren“, sagte die Bahn-Chefin. „Wir sehen eine deutliche Beschleunigung der Anlagenalterung.“ Und so lange die Schienen, Gleise und Oberleitungen schneller alterten, „als ich dagegen anbauen kann“, werde sich auch die Pünktlichkeit nicht verbessern. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr war zu Anfang des Jahres rapide gesunken. Im bisherigen Jahresschnitt lag sie bei knapp unter 60 Prozent, wobei sie seit sechs Monaten teils deutlich niedriger war. Im kommenden Jahr strebt Palla eine Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent an.