Havanna

Größte Gefangenenfreilassung seit Jahren in Kuba – welche Rolle Trump und der Vatikan spielen

Kuba will über 2000 Gefangene begnadigen, die ersten wurden bereits am Freitag entlassen. Was steckt hinter der größten Freilassung seit Jahren?

Ein begnadigter Häftling umarmt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis La Lima im Osten Havannas ein Familienmitglied.
Ein begnadigter Häftling umarmt nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis La Lima im Osten Havannas ein Familienmitglied.Ramon Espinosa/dpa

Die kubanische Regierung hat mit der Freilassung von 2010 Häftlingen begonnen – die größte Massenentlassung des Landes seit Jahren. Laut der Parteizeitung Granma handelt es sich um eine „humanitäre und souveräne Geste“ anlässlich der Karwoche. Die Begnadigung betrifft Jugendliche, Frauen, über 60-Jährige und Ausländer. Ausgeschlossen sind Verurteilte wegen Mord, Sexualdelikten oder Drogenhandel, wie CNN berichtet.

Wie die BBC meldet, verließen am Freitag die ersten Gefangenen das Gefängnis La Lima im Osten Havannas und umarmten unter Tränen wartende Angehörige. Laut dem Oppositionsmedium 14ymedio wurden zudem 41 Häftlinge aus dem Arbeitslager Toledo 2 entlassen.

Offiziell begründet die kubanische Regierung die Freilassung mit den religiösen Feierlichkeiten der Karwoche – eine laut Granma übliche Praxis im kubanischen Strafjustizsystem. Doch Analysten bezweifeln, dass dies der alleinige Grund ist. Michael Bustamante, Leiter der Kuba-Studien an der Universität Miami, sagte dem Guardian, es sei „nicht abwegig zu denken, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass Gespräche zwischen beiden Regierungen vorankommen“. Die Freilassung von Gefangenen ist eine zentrale Forderung Washingtons an Havanna.

Kuba führte Treffen mit Vertretern des Heiligen Stuhls

Hinzu kommt die Rolle des Vatikans: Wie die Washington Post berichtet, hat Kuba in den vergangenen Wochen hochrangige Treffen mit Vertretern des Heiligen Stuhls geführt – darunter mit Papst Leo XIV. –, um eine Vermittlung mit Washington zu erreichen. Bereits im März wurden 51 Häftlinge als Geste gegenüber dem Vatikan freigelassen. Die aktuelle Massenentlassung dürfte also weniger religiös als vielmehr diplomatisch und politisch motiviert sein.

Die Freilassung erfolgt, während die Trump-Regierung massiven Druck auf Kuba ausübt. Durch militärisches Eingreifen in Venezuela und Zolldrohungen gegen Mexiko hat Washington den Ölfluss auf die Insel unterbunden. Die Folge: zwei landesweite Stromausfälle allein im März, die mehr als zehn Millionen Menschen betrafen. Die Weltgesundheitsorganisation warnte laut BBC, dass Krankenhäuser Notfall- und Intensivdienste kaum aufrechterhalten könnten.

Trump hatte wiederholt erklärt, Kuba „nehmen“ zu wollen, und fordert wirtschaftliche und politische Reformen. Anfang der Woche ließ er jedoch einen russischen Öltanker kubanische Gewässer anlaufen – laut CNN mit den Worten: „Sie müssen überleben.“ Russland kündigte laut BBC eine zweite Öllieferung an.