Energiekrise

Greta Thunberg fordert Ende der US-Ölblockade gegen Kuba

Greta Thunberg wirft den USA vor, die kubanische Bevölkerung gezielt in eine humanitäre Krise zu treiben und ruft weltweit zu Protesten auf. Besonders aus Kuba hagelt es Kritik.

Greta Thunberg fordert die Welt auf sich hinter Kuba und gegen die US-Regierung zustellen.
Greta Thunberg fordert die Welt auf sich hinter Kuba und gegen die US-Regierung zustellen.Matteo Nardone /ipa-agency.net/imago

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat in einem Instagram-Video die US-Wirtschaftsblockade gegen Kuba als „brutalen Akt kollektiver Bestrafung“ bezeichnet und zu internationaler Solidarität mit der Inselbevölkerung aufgerufen. Ihr Appell fällt in eine Phase, in der Washington den Druck auf den Karibikstaat massiv verschärft hat.

In ihrem Video machte Thunberg die US-Regierung für die humanitäre Lage auf Kuba verantwortlich. Stromausfälle, Treibstoffmangel und fehlende Medikamente seien keine Nebeneffekte geopolitischer Spannungen, sondern das Ergebnis einer gezielten Strategie wirtschaftlicher Isolation, so die Aktivistin.

Sie rief zur Unterstützung des Hilfsprojekts „Nuestra América Convoy“ auf, das am 21. März 2026 Lebensmittel, Medikamente und Energieausrüstung nach Havanna bringen soll. Zudem forderte sie die Menschen auf, sich an diesem Tag vor den US-Botschaften in ihren jeweiligen Ländern zu versammeln.

Thunberg erinnerte in ihrer Botschaft auch an Kubas eigene Solidaritätsleistungen – etwa den Einsatz kubanischer Ärzte bei Ebola-Epidemien in Westafrika oder nach Naturkatastrophen in Haiti. Nun sei es an der Zeit, dass die Welt diese Solidarität erwidere, so die Aktivistin. „Kuba hat sich schon oft für die Welt eingesetzt, und nun ist es an der Zeit, dass die Welt sich für Kuba einsetzt“.

Der Hintergrund von Thunbergs Appell ist eine dramatische Zuspitzung der Lage auf der Insel. Die Trump-Regierung hat eine nahezu vollständige Ölblockade gegen Kuba verhängt und auch Drittländer wie Venezuela und Mexiko unter Druck gesetzt, Lieferungen einzustellen. Mit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA am 3. Januar verlor Kuba seinen wichtigsten ausländischen Unterstützer. Trump selbst erklärte im März in Florida, Kuba laufe „auf dem letzten Tropfen“ und könne Gegenstand einer „Übernahme“ werden.

Kritik an Thunbergs Video aus Kuba

Die Reaktionen auf Thunbergs Video fielen gespalten aus – insbesondere aus der kubanischen Community kam Kritik, wie das Portal CiberCuba berichtet. Kubanische Nutzerinnen und Nutzer sollen der Aktivistin vorgeworfen haben, die politische Realität des Landes auszublenden. In ihrem Video erwähne sie weder das Einparteiensystem unter Kontrolle der Kommunistischen Partei noch politische Gefangene oder die Unterdrückung von Protesten. „Wir leiden unter einem System, das uns unterdrückt, uns zensiert, Bürger wegen Protesten inhaftiert und die Wirtschaft des Landes ruiniert hat“, so eine Nutzerin.

Der Schlagabtausch spiegelt einen tieferliegenden Konflikt wider: Während internationale Solidaritätskampagnen die Auswirkungen der US-Sanktionen anprangern, kritisieren viele Kubaner laut CiberCuba, dass dabei strukturelle Probleme des politischen Systems – von jahrzehntelanger Misswirtschaft bis zur fehlenden Meinungsfreiheit – ausgeblendet werden.

Thunberg, ursprünglich als Klimaaktivistin bekannt geworden, begründet ihre Unterstützung Kubas mit der humanitären Lage auf der Insel. Kritiker sehen einen Widerspruch in ihrem Kampf gegen fossile Brennstoffe und ihrer Forderung das US-Ölembargo für Kuba aufzulösen. „Was ist denn los, Greta? Ich dachte, du wolltest, dass der Planet grün wird!“, heißt es zum Beispiel in den Kommentaren unter ihrem Video.