Raumfahrt

Nasa setzt ersten bemannten Flug zum Mond seit über 50 Jahren für April an

Artemis II hat nach von der Nasa grünes Licht erhalten. Die Mission mit vier Astronauten gilt als entscheidender Test für die spätere Rückkehr zum Mond.

Artemis II soll vier Astronauten auf einem zehntägigen Testflug um den Mond und zurück zur Erde schicken.
Artemis II soll vier Astronauten auf einem zehntägigen Testflug um den Mond und zurück zur Erde schicken.Sam Lott/AP/dpa

Nach Abschluss einer zweitägigen technischen Überprüfung hat die Nasa die Startfreigabe für die Mission Artemis II erteilt. Der Start ist für den 1. April um 0.24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit vom Kennedy Space Center in Florida geplant, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Es wäre der erste bemannte Flug zum Mond seit der Apollo-17-Mission im Dezember 1972.

Alle beteiligten Teams hätten grünes Licht gegeben, teilte die zuständige Nasa-Direktorin Lori Glaze am Donnerstag mit. Glaze betonte, es handele sich um einen Testflug, der „nicht ohne Risiko“ sei. „Aber unser Team und unsere Hardware sind bereit.“ Ende dieser Woche soll die Schwerlastrakete SLS mit der Orion-Kapsel zur Startrampe 39B überführt werden, wie das Fachportal Spaceflight Now berichtet.

An Bord werden Kommandant Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der kanadische Astronaut Jeremy Hansen sein. Die Besatzung soll den Mond auf einer Free-Return-Bahn umrunden – ohne in eine Umlaufbahn einzutreten oder zu landen. Die Schwerkraft des Mondes lenkt das Raumschiff auf eine Rückflugbahn zur Erde.

Nach rund zehn Tagen ist die Wasserung im Pazifik vorgesehen. Bei der größten Annäherung kommen die Astronauten bis auf rund 6600 Kilometer an die Mondoberfläche heran und entfernen sich auf ihrer weiten Schleife hinter dem Mond 407.000 Kilometer von der Erde – weiter als je ein Mensch zuvor.

Artemis ist ein von der Nasa geführtes Mondprogramm, an dem mehrere internationale Partner beteiligt sind. Die Esa liefert für Orion das Servicemodul, Kanada ist über die Raumfahrtbehörde CSA eingebunden und stellt mit Jeremy Hansen einen Astronauten für Artemis II, Japan beteiligt sich über die Raumfahrtbehörde JAXA an späteren Bausteinen wie dem Mondfahrzeug und dem Gateway-Außenposten.

Wasserstofflecks und Druckprobleme

Ursprünglich sollte die Mission bereits Anfang Februar starten. Wasserstofflecks an den Treibstoffleitungen und Probleme mit dem Drucksystem der Oberstufe erzwangen jedoch Verzögerungen. Die Lecks wurden an der Startrampe durch den Austausch schadhafter Dichtungen behoben.

Für die Reparatur des Drucksystems musste die Rakete in das Vehicle Assembly Building, die Montagehalle der Nasa, zurückgebracht werden. Dort fanden Ingenieure ein verschobenes Dichtungsteil in einer Helium-Schnellkupplung. Falls der Start am 1. April nicht gelingt, hat die Nasa ein Startfenster in den ersten Apriltagen; danach würde sich der Flug voraussichtlich um etwa einen Monat verschieben.

Zur Risikoeinschätzung wollten sich weder Glaze noch John Honeycutt, Leiter des Artemis-Missionsteams, konkret festlegen. Laut dem Nasa-Generalinspekteur liegt das statistische Risiko einer Artemis-Mondmission bei etwa eins zu 30 vom Start bis zur Wasserung. Bei den Apollo-Missionen lag es demnach bei eins zu zehn.

Zusätzliche Testmission vor der Mondlandung

Parallel hat die Nasa die Gesamtarchitektur des Programms überarbeitet. Demnach ergänzt sie eine zusätzliche Mission. Bei Artemis III sollen Astronauten im kommenden Jahr in einer niedrigen Erdumlaufbahn an Mondlander von SpaceX und Blue Origin andocken, um Raumschiffe und Abläufe zu erproben, bevor eine tatsächliche Landung versucht wird.

Die erste bemannte Mondlandung im Rahmen des Programms ist nun mit Artemis IV für 2028 vorgesehen. Danach plant die US-Raumfahrtbehörde eine Landemission pro Jahr. Budgetengpässe, die Corona-Pandemie und technische Schwierigkeiten hatten das ursprüngliche Zieldatum 2024 wiederholt nach hinten geschoben.