Archäologie

Neuer Fund widerlegt alte These: Arabische Wüste in der Eiszeit wohl bewohnt

Ein internationales Forschungsteam hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten Spuren einer  Besiedlung während der letzten Eiszeit freigelegt. Ist eine alte Streitfrage damit geklärt?

Wüstenlandschaft von Schardschaa: Neue Funde aus der Region stellen das bisherige Bild früher Besiedlung in Südostarabien infrage.
Wüstenlandschaft von Schardschaa: Neue Funde aus der Region stellen das bisherige Bild früher Besiedlung in Südostarabien infrage.Dreamstime/imago

Südostarabien war auch in Phasen der letzten Eiszeit wiederholt von Menschen bewohnt. Das geht aus neuen Grabungsresultaten hervor, die ein Forschungsteam um die Friedrich-Schiller-Universität Jena am Montag vorstellte. Die Ergebnisse beruhen auf Funden aus dem Buhais-Felsüberhang im Emirat Schardscha und wurden im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.

Den Datierungen zufolge lebten Menschen an dem Fundort in mindestens vier Phasen: vor rund 125.000, 59.000, 35.000 und 16.000 Jahren. Damit ist eine Besiedlung über mehr als 100.000 Jahre belegt. Mehrere dieser Phasen fallen in sehr trockene Abschnitte der letzten Eiszeit, in denen die Region nach bisherigem Forschungsstand als kaum bewohnbar galt.

Der Buhais-Felsüberhang liegt in der Bergregion des Emirats Schardscha. Weil dort über einen so langen Zeitraum Spuren erhalten blieben, ist er für die Forschung besonders wichtig. Die mehrfache Wiederbesiedlung desselben Ortes deutet darauf hin, dass frühe Menschen die Landschaft gezielt nutzten und immer wieder an denselben Ort zurückkehrten.

Konsequenzen für die Migrationsforschung

Nach Angaben der Universität Jena werfen die Ergebnisse neues Licht auf mögliche Migrationsrouten früher Menschen zwischen Afrika und Asien. Die arabische Halbinsel liegt zwischen beiden Kontinenten und gilt seit langem als möglicher Korridor für die Ausbreitung des modernen Menschen aus Afrika. Die neuen Daten legen nahe, dass dieser Korridor nicht nur in günstigen Klimaphasen genutzt wurde, sondern auch in Zeiten, die bisher als Sperrperioden galten.

Sollten weitere Grabungen die Ergebnisse bestätigen, müssten bisherige Modelle zur Besiedlungsgeschichte der Region überarbeitet werden. Die Frage, unter welchen Bedingungen frühe Menschen in trockenen Umgebungen überleben konnten, bleibt damit zentral für die Forschung.