Nicht einmal ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist der Ansicht, dass die gesetzliche Rente die Interessen von Jung und Alt gleichermaßen berücksichtigt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Lediglich 29 Prozent der Befragten stimmten demnach der Aussage zu, das Rentensystem sei generationengerecht ausgestaltet. Deutlich mehr – 38 Prozent – sehen die Interessen älterer Menschen bevorzugt behandelt. Besonders verbreitet ist diese Einschätzung unter Wählern der Grünen, der FDP und der Linken. Unter AfD-Wählern teilt nur ein Fünftel diese Auffassung, wie die Welt berichtet.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sieht in den Ergebnissen ein deutliches Warnsignal. „Ein Rentensystem kann nur dauerhaft stabil sein, wenn es als fair wahrgenommen wird", so Asmussen. Die laufenden rentenpolitischen Beratungen böten nun die Gelegenheit, „tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Interessen aller Generationen gerecht werden".
Zwei Drittel zweifeln am Erfolg der Rentenkommission
Die Bundesregierung hatte zu Jahresbeginn eine Rentenkommission eingesetzt, die bis Sommer 2026 Vorschläge für eine langfristig tragfähige und generationengerechte Alterssicherung erarbeiten soll. Doch das Vertrauen in dieses Gremium ist gering: 68 Prozent der Befragten gaben an, wenig oder gar nicht zuversichtlich zu sein, dass die Kommission Reformvorschläge vorlegen wird, mit denen das Rentensystem dauerhaft stabilisiert werden kann. Am skeptischsten zeigten sich ältere Menschen sowie AfD-Wähler.
Auf die Frage, wie das System gerechter gestaltet werden könnte, sprachen sich fast zwei Drittel der Befragten dafür aus, den Kreis der Beitragszahler zu erweitern – etwa durch die Einbeziehung von Beamten oder Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung. Knapp die Hälfte wünscht sich eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Rund ein Viertel befürwortet einen höheren Steuerzuschuss oder eine Anpassung des Renteneintrittsalters.
Asmussen warnte allerdings davor, sich von einer Ausweitung des Beitragszahlerkreises zu viel zu versprechen: „Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten. Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben." Stattdessen müsse die Bundesregierung künftig stärker auf kapitalgedeckte Vorsorge setzen. Ein entsprechender Reformvorschlag von SPD-Chef Lars Klingbeil zur privaten Altersvorsorge wird am Donnerstag erstmals im Bundestag beraten.


