Bundeswehr

Fallschirmjäger-Skandal: 16 Entlassungen, Ermittlungen gegen weitere Beschuldigte

Die Vorwürfe gegen ein Regiment der Bundeswehr bekannt wegen sexualisiertem Fehlverhalten und Drogenmissbrauch sind bekannt. Mittlerweile gibt es weitere personelle Konsquenzen.

Gegen eine Fallschirmjäger-Einheit der Bundeswehr gibt es schwere Vorwürfe.
Gegen eine Fallschirmjäger-Einheit der Bundeswehr gibt es schwere Vorwürfe.IMAGO/Zoonar.com/Thomas Fuhrmann

Die Bundeswehr hat neue Details zu den personellen Konsequenzen nach dem Skandal um sexuelle Übergriffe, Rechtsextremismus und Drogenmissbrauch bei einer Fallschirmjäger-Einheit im rheinland-pfälzischen Zweibrücken genannt. Das ARD-Hauptstadtstudio berichtete am Donnerstag, dass die Bundeswehr von 59 Beschuldigten ausgehe.

Von 21 beantragten Entlassungsverfahren seien mittlerweile 16 vollzogen worden, die übrigen seien in Bearbeitung. 19 Fälle habe das Heer an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. In 18 Fällen seien Disziplinarmaßnahmen verhängt worden.

Neues Treffen soll Vorgehen bei Fallschirmjägern klären

Die Vorfälle in Zweibrücken waren Ende Dezember durch Meldungen von Soldatinnen des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken beim Bundestags-Wehrbeauftragten bekannt geworden. Nach Angaben des Heers handelte es sich um sexualisiertes Fehlverhalten, extremistische Verhaltensweisen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Im Januar wurde bekannt, dass neun Fallschirmjäger entlassen wurden, damals wurde noch von 55 Beschuldigten ausgegangen.

Informationen des Spiegel zufolge überreichte eine Soldatin der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl im Herbst 2024 ein Dokument mit der Überschrift „Schilderungen von Kameradinnen von sexuell belästigendem, bedrängendem und übergriffigem Verhalten“. Aufgelistet darin sind 23 Fälle, in denen Soldaten gegenüber Kameradinnen übergriffig geworden sein sollen – sowohl verbal als auch tätlich. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) soll seit Sommer von den Vorwürfen gewusst haben. Generalinspekteur Breuer soll ihn über die Geschehnisse und den Ermittlungsstand informiert haben.

Ein vorläufiger Abschlussbericht des Heeres ist jetzt in Arbeit. In dieser Woche besuchte Heereschef Christian Freuding das Fallschirmjägerregiment, im Laufe des Monats wird es laut Verteidigungsministerium erneut ein Treffen geben, bei dem das weitere Vorgehen besprochen werden soll.

Abgesehen von den personellen Konsequenzen zog die Bundeswehr auch organisatorisch erste Lehren aus dem Skandal. So wurde die Dienstaufsicht verstärkt mit dem Ziel, einen Wandel in der Führungskultur herbeizuführen. (mit AFP)