Schwere Vorwürfe

Skandal bei der Bundeswehr: Neun Fallschirmjäger entlassen

Gegen das Fallschirmregiment 26 werden seit einigen Wochen schwere Vorwürfe erhoben. Jetzt zieht die Bundeswehr Konsequenzen, ein Aktionsplan soll durchgesetzt werden.

Gegen das Fallschirmjägerregiment 26 gibt es schwere Vorwürfe.
Gegen das Fallschirmjägerregiment 26 gibt es schwere Vorwürfe.Bernd Wüstneck/dpa

Im Zuge der massiven Vorwürfe gegen die Fallschirmjäger der Bundeswehr hat der Generalinspekteur Carsten Breuer erste Konsequenzen gezogen. Wie der Verteidigungsausschuss nach seiner Sitzung mitteilte, wurden bisher neun Soldaten entlassen, gegen vier weitere laufen Entlassungsverfahren.

Konkret richten sich die Vorwürfe gegen das Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Dabei geht es um Vorwürfe des Rechtsextremismus und der Verfassungsfeindlichkeit sowie um sexualisiertes Fehlverhalten und Bedrohung von Soldatinnen.

Vorwürfe wegen Gewalt, Sexismus und Drogenkonsum

Auch soll es zu Gewalt und Verstößen gegen die Dienstvorschriften gekommen sein. Zudem wird einigen Soldaten Drogenmissbrauch vorgeworfen, namentlich Cannabis und Kokain.

Informationen des Spiegel zufolge überreichte eine Soldatin der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl im Herbst 2024 ein Dokument mit der Überschrift „Schilderungen von Kameradinnen von sexuell belästigendem, bedrängendem und übergriffigem Verhalten“. Aufgelistet darin sind 23 Fälle, in denen Soldaten gegenüber Kameradinnen übergriffig geworden sein sollen – sowohl verbal als auch tätlich. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) soll seit Sommer von den Vorwürfen gewusst haben. Generalinspekteur Breuer soll ihn über die Geschehnisse und den Ermittlungsstand informiert haben.

Im Februar vergangenen Jahres richteten sich dem Medium zufolge Soldatinnen bei der Gleichstellungsvertrauensfrau des Regiments. Auch ihr soll dann das Dokument, das zuvor der Wehrbeauftragten übergeben worden war, geschickt worden sein.

Doch die massiven Vorwürfe kamen erst viel später ans Licht. In einem Sachstandsbericht heißt es, Oberst Oliver Henkel, dem mittlerweile abgesetzten Regimentskommandeur, und dem Chef der Kompanie sei „bisher keine Dienstpflichtverletzung“ nachzuweisen. Doch weiter heißt es: „Zögerliches Nachgehen und Ahnden von Dienstvergehen führte zu dem Eindruck, dass Fehlverhalten keine Konsequenzen habe“.

Vorwürfe gegen Fallschirmjägerregiment: 55 Beschuldigte

Diese Konsequenzen werden jetzt offenbar gezogen: Der aktuelle Stand von Mitte Januar ist laut Verteidigungsausschuss wie folgt: Es wird von 55 Beschuldigten im Fallschirmjägerregiment 26 ausgegangen. In 18 Fällen wurden bereits Disziplinarmaßnahmen verhängt, in 20 Fällen hat die Wehrdisziplinaranwaltschaft bei der Division Schnelle Kräfte disziplinare Vorermittlungen aufgenommen.

Es wurden zwei gerichtliche Disziplinarverfahren eingeleitet. In 16 Fällen erfolgte eine Abgabe an die Staatsanwaltschaft. In 17 Fällen wurden Verbote zur Ausübung des Dienstes ausgesprochen.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, kündigte an, er wolle den angekündigten Aktionsplan Luftlandetruppe noch in diesem Monat in Kraft setzen.

Angesichts der schweren Vorwürfe rückte Henning Otte, Wehrbeauftragter des Bundestages, die Dienstaufsicht bei der Bundeswehr in den Fokus. „Zur Vermeidung künftiger Skandale braucht es eine konsequentere Dienstaufsicht auf allen Ebenen. Die Einhaltung der Grundsätze der Inneren Führung ist sicherzustellen und muss gestärkt werden, um die volle Einsatzbereitschaft und das Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zu wahren“, sagte er der Bild-Zeitung.