Die Philippinen haben als erstes asiatisches Land einen nationalen Energienotstand ausgerufen. Präsident Ferdinand Marcos reagiert damit auf die massiven Verwerfungen an den globalen Ölmärkten infolge des Krieges im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormus.
Das südostasiatische Land bezieht laut BBC 98 Prozent seines Öls aus der Golfregion und ist damit besonders verwundbar. Die Preise für Benzin und Diesel haben sich seit Kriegsbeginn am 28. Februar mehr als verdoppelt, wie die BBC berichtet. Die Vorräte reichen nach Angaben von Energieministerin Sharon Garin derzeit für rund 45 Tage.
Marcos versicherte in einer Fernsehansprache, die Versorgung werde nicht abreißen. Die Regierung beschaffe eine Million Barrel Öl zusätzlich. „Wir werden einen kontinuierlichen Ölfluss haben – nicht eine Lieferung, nicht zwei, sondern einen stetigen Strom“, sagte er laut BBC.
Verhandlungen mit Washington über Ölkäufe
Hinter den Kulissen laufen offenbar diplomatische Bemühungen auf Hochtouren. Wie Reuters berichtet, verhandelt der philippinische Botschafter in den USA, Jose Manuel Romualdez, mit dem US-Außenministerium über Ausnahmegenehmigungen für Ölkäufe aus sanktionierten Ländern.
„Alle Optionen werden geprüft“, sagte Romualdez gegenüber Reuters auf die Frage, ob es auch um mögliche Importe aus Venezuela und dem Iran gehe. Washington habe bereits einen 30-Tage-Waiver für iranisches Öl erteilt, das vor dem 20. März verladen wurde. Laut Kpler-Daten, die Reuters zitiert, sind zudem erstmals seit fünf Jahren zwei russische ESPO-Rohölladungen auf dem Weg in die Philippinen.
Der Notstand gilt für ein Jahr und gibt der Regierung weitreichende Befugnisse: Sie darf Treibstoff direkt einkaufen, Vorauszahlungen leisten und die Verteilung von Kraftstoff, Lebensmitteln und Medikamenten koordinieren.
Kritik von Gewerkschaften, Rückhalt aus der Wirtschaft
Die Gewerkschaftskoalition Kilusang Mayo Uno kritisierte den Notstand laut BBC scharf als Eingeständnis des Regierungsversagens. Zuvor habe die Regierung die Lage verharmlost. Besonders besorgniserregend seien Klauseln, die Streiks als Störung der Wirtschaft einschränken könnten. Transportgewerkschaften unter Führung der Koalition Piston planen demnach einen zweitägigen Streik und fordern unter anderem die Abschaffung von Treibstoffsteuern und staatliche Preiskontrollen.
Unternehmer Manuel V. Pangilinan, Chef großer Versorgungsunternehmen, unterstützt dagegen die Notstandsmaßnahmen. Die steigenden Energiekosten belasteten den Geschäftsbetrieb bereits spürbar, sagte er laut BBC.
Um Strom zu sparen, setzt die Regierung verstärkt auf Kohlekraftwerke, hat den Fährbetrieb reduziert und eine Vier-Tage-Woche für Beamte eingeführt.


