Die EU-Kommission erwägt, verstärkt Flugkraftstoff aus den USA zu beziehen, um drohende Versorgungsengpässe in Europa abzufedern. Das kündigte EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas am Dienstag nach einer Videokonferenz der EU-Verkehrsminister an, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Konkret gehe es um Treibstoff vom Typ A aus US-Produktion, der in der Europäischen Union bislang nicht zugelassen ist.
Laut AFP prüft die Kommission derzeit, unter welchen Voraussetzungen eine zeitnahe Zulassung dieses US-Kerosins in der EU möglich wäre. Eine Entscheidung soll im Anschluss an die laufende Prüfung getroffen werden. Bereits am Mittwoch will die Behörde ein Maßnahmenpaket zur Bewältigung der Energiekrise vorlegen.
Tzitzikostas kündigte gegenüber AFP zudem ein neues Gremium an, das die Versorgung und die Treibstoffvorräte in den 27 Mitgliedstaaten überwachen soll – mit besonderem Fokus auf Kerosin. Der Iran-Krieg habe „Auswirkungen auf alle Verkehrsmittel und alle Mitgliedstaaten“, sagte der Kommissar. Die EU-Staaten müssten zusammenarbeiten, um steigende Kosten für Bürger und Unternehmen abzufedern.
Verschärfung der Versorgungslage in den kommenden Wochen
Wie die AFP weiter berichtet, sieht die Kommission derzeit zwar keine akuten Engpässe bei der Kerosinversorgung, warnt aber vor einer Verschärfung in den kommenden Wochen. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält die Versorgung laut AFP aktuell für gesichert. Deutschland hat nach Angaben des Ministeriums bereits 50.000 Tonnen Flugtreibstoff aus seinen strategischen Reserven freigegeben, koordiniert auf EU-Ebene und mit der Internationalen Energieagentur (IEA).
Die IEA sowie mehrere Fluggesellschaften hatten zuvor vor Engpässen gewarnt, wie AFP berichtet. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert wegen der hohen Preise Entlastungen, darunter eine zeitweise Aussetzung des EU-Emissionshandels für den Luftverkehr sowie der Luftverkehrsteuer. Seit Beginn des Iran-Kriegs hat sich der Kerosinpreis nach BDL-Angaben mehr als verdoppelt.
Hintergrund ist laut AFP die Blockade der Seestraße von Hormus, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Rohöls transportiert wird. Sowohl Teheran als auch Washington haben Blockaden verhängt. Europa bezieht in der Regel die Hälfte seines Kerosins aus der Golfregion. Am Mittwoch endet eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, während Zweifel an einer Wiederaufnahme der Verhandlungen wachsen.


