US-Präsident Donald Trump soll am Donnerstag von Centcom-Befehlshaber Admiral Brad Cooper über neue militärische Optionen im Krieg gegen den Iran unterrichtet werden. Das berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. An dem Treffen werde auch der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, teilnehmen. Das Weiße Haus äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.
Laut Axios hat das US-Regionalkommando Centcom einen Plan für eine „kurze und kraftvolle“ Welle von Angriffen auf den Iran ausgearbeitet, die sich vor allem gegen Infrastrukturziele richten soll. Damit solle Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen gebracht werden.
Bodentruppen in der Straße von Hormus im Raum
Drei mit den Vorbereitungen vertraute Personen sagten dem Portal, Ziel sei, dass Teheran in der Atomfrage flexibler an den Verhandlungstisch zurückkehre. Eine weitere Option sehe vor, Teile der Straße von Hormus mit Bodentruppen einzunehmen, um die Meerenge wieder für die kommerzielle Schifffahrt zu öffnen. Diskutiert werde zudem ein Einsatz von Spezialkräften zur Sicherung des iranischen Bestands an hochangereichertem Uran.
Trump hatte Axios am Mittwoch gesagt, er halte die Seeblockade gegen den Iran für „etwas wirksamer als die Bombardierung“. Zwei Personen aus seinem Umfeld sagten, der Präsident sehe die Blockade derzeit als sein zentrales Druckmittel, ziehe militärisches Vorgehen aber in Betracht, sollte der Iran nicht einlenken. US-Militärplaner rechneten zugleich mit möglichen iranischen Vergeltungsschlägen gegen US-Streitkräfte in der Region.
Tatsächlich drohte der Iran den Vereinigten Staaten daraufhin mit „langen und schmerzhaften Angriffen“ auf US-Stellungen in der Region, falls Washington seine Militärschläge erneuern sollte. Die Warnung dürfte die Bemühungen der USA erschweren, eine internationale Koalition zur Öffnung der Straße von Hormus aufzubauen. Die wichtige Seeroute ist zwei Monate nach Beginn des Krieges infolge amerikanisch-israelischer Angriffe auf den Iran weiterhin blockiert.
Bericht: USA erwägen Einsatz von Hyperschallwaffe
Vor dem Hintergrund des für Donnerstag geplanten Briefings zu neuen Militäroptionen rückt auch eine bislang unerprobte Waffe in den Blick. Das US-Regionalkommando Centcom hat nach einem Bericht von Bloomberg darum gebeten, die bislang nicht voll einsatzbereite Hyperschallrakete „Dark Eagle“ der US-Armee in den Nahen Osten zu verlegen, um sie möglicherweise gegen den Iran einsetzen zu können.
Begründet werde der Antrag damit, dass Teheran seine Startrampen für ballistische Raketen außerhalb der Reichweite der bislang verfügbaren Präzisionsrakete in Stellung gebracht habe, die Ziele in mehr als 480 Kilometern Entfernung treffen kann, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, Centcom lehnte eine Stellungnahme ab.
Es wäre der erste Einsatz einer US-Hyperschallwaffe überhaupt. Das System hat laut Bloomberg eine Reichweite von mehr als 2700 Kilometern und ist darauf ausgelegt, mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit zu fliegen und Abwehrsystemen auszuweichen. Jede von Lockheed Martin gefertigte Rakete koste rund 15 Millionen Dollar, der Bestand liege bei höchstens acht Stück.
Ölpreis auf höchstem Stand seit 2022
An den Rohstoffmärkten lösten die Berichte neue Nervosität aus. Die Nordseesorte Brent stieg laut Bloomberg zeitweise auf mehr als 124 US-Dollar pro Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2022. Die US-Sorte WTI notierte bei rund 109 Dollar.
Auslöser waren vor allem die jüngsten Aussagen von Trump zur möglichen Fortsetzung der Seeblockade gegen den Iran. Anleger fürchten nun, dass der Konflikt und die Einschränkungen in der Straße von Hormus länger andauern könnten. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und Oman läuft normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. „Trump hat dem Markt das Sicherheitsnetz weggerissen, an das er sich geklammert hatte – die Hoffnung, dass der Krieg kurz vor dem Ende steht“, sagte Robert Rennie, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Westpac Banking Corp., laut Bloomberg.
Auch die The New York Times berichtete, dass die Märkte inzwischen immer weniger an eine schnelle diplomatische Lösung glaubten. Seit Beginn des Krieges sei der Preis für Brent-Öl um rund 30 Prozent gestiegen. Die Internationale Energieagentur sprach bereits vom größten Versorgungsschock der Geschichte. Der Rohstoffhändler Vitol bezifferte den möglichen Lieferausfall auf rund eine Milliarde Barrel.
Die Folgen zeigen sich inzwischen auch an Tankstellen und Börsen. Nach Angaben des US-Automobilclubs AAA stieg der durchschnittliche Benzinpreis in den Vereinigten Staaten auf 4,23 Dollar pro Gallone – rund 42 Prozent mehr als vor Beginn des Krieges. Der Dieselpreis legte sogar um 46 Prozent zu. In Asien gaben mehrere Börsen nach, darunter der japanische Nikkei und der Hang-Seng-Index in Hongkong.
Washington wirbt um Koalition für Hormus
Parallel zu den militärischen Planungen wirbt die US-Regierung laut Wall Street Journal um eine internationale Koalition zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. In einem internen Telegramm des Außenministeriums an US-Botschaften vom Dienstag würden Diplomaten angewiesen, ausländische Regierungen für ein Bündnis mit dem Namen „Maritime Freedom Construct“ zu gewinnen.
Das Bündnis solle Informationen austauschen, diplomatisch koordinieren und Sanktionen durchsetzen. „Ihre Beteiligung wird unsere gemeinsame Fähigkeit stärken, die Freiheit der Schifffahrt wiederherzustellen und die Weltwirtschaft zu schützen“, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Die Initiative sei als Ergänzung zu einer von Großbritannien und Frankreich geleiteten europäischen Planung gedacht.


