US-Präsident Donald Trump hat eine mögliche Verringerung der amerikanischen Truppenpräsenz in Deutschland angekündigt. Nach einem offenen Streit mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte er eine baldige Entscheidung in Aussicht.
Trump erklärte am Mittwochabend auf seiner Plattform Truth Social, die Vereinigten Staaten prüften eine mögliche Reduzierung der in Deutschland stationierten Soldaten. Eine Entscheidung werde „in nächster Zeit“ getroffen, schrieb der Präsident wörtlich: „Die Vereinigten Staaten prüfen und überprüfen die mögliche Reduzierung der Truppen in Deutschland“. Eine offizielle Stellungnahme des Weißen Hauses oder des Pentagons lag nach Angaben des Magazins Newsweek zunächst nicht vor.
Deutschland als Drehkreuz der US-Streitkräfte
Derzeit sind rund 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Damit ist die Bundesrepublik der bedeutendste Standort der amerikanischen Militärpräsenz in Europa. Hier befinden sich Einrichtungen für die medizinische Versorgung verwundeter Soldaten, die Wartung und Bewaffnung von Flugzeugen sowie das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (Eucom). Zum Vergleich: In Italien sind rund 12.000, in Großbritannien etwa 10.000 US-Soldaten stationiert.
Militärische Befehlshaber hätten bereits in der Vergangenheit auf die Risiken einer Truppenreduzierung an den großen europäischen Stützpunkten hingewiesen, berichtet die New York Times. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe sich nach Angaben der Militärzeitung Stars and Stripes bislang nicht für größere Kürzungen der Truppenstärke in Europa ausgesprochen.
Streit zwischen Merz und Trump
Vorausgegangen war eine Äußerung von Merz vor Schülern in Westdeutschland. „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie“, sagte der Kanzler. Das Problem solcher Konflikte sei, dass man nicht nur hineingehen, sondern auch wieder herauskommen müsse. Das habe man in Afghanistan über zwanzig Jahre und im Irak schmerzhaft erlebt. Er sehe derzeit keinen strategischen Ausweg, den die USA gewählt hätten.
Trump reagierte mit einem weiteren Eintrag auf Truth Social und attackierte Merz persönlich: „Er weiß nicht, wovon er redet!“. Er fügte hinzu: „Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, wirtschaftlich und auch sonst!“.
Formale Hürden für einen Nato-Austritt
Trump sagte noch nicht, wer die Überprüfung durchführe. Aus dem Bündnis selbst könnten sich die USA nicht ohne Zustimmung des Kongresses zurückziehen. Merz hatte zuvor eine enge Beziehung zu Trump gepflegt, hatte sich aber zuletzt zunehmend kritisch geäußert.

